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1. Juni 2026„Reinhard Lakomy Elektronik“ zeigt den legendären DDR-Komponisten auf experimentellen Wegen. Der Konzertmitschnitt aus dem Palast der Republik dokumentiert visionäre elektronische Musik aus den 1980er-Jahren.
Reinhard Lakomy hat viele musikalische Leben gelebt. Der 1946 in Magdeburg geborene und 2013 in Berlin verstorbene Multiinstrumentalist und Komponist gehört zu den prägendsten Musikschaffenden der DDR. Er schrieb Kinderlieder wie den „Traumzauberbaum“ oder „Der Tintenfisch“, mehr als 200 Bühnen- und Filmmusiken und schrieb Hits für Größen wie Thomas Lück, Andreas Holm oder Uschi Brüning. Dabei war er im Rock ebenso zuhause wie im Jazz (u.a. im Günther-Fischer-Quartett) und in der Avantgarde.
Reinhard Lakomy auf neuen Pfaden
In diesem Jahr wäre Lakomy 80 geworden. Zu diesem Anlass veröffentlicht Witwe Monika Ehrhardt-Lakomy einen Konzertmitschnitt vom 26.05.1983 im Berliner Palast der Republik mit dem Titel „Elektronik“. Lakomy spielt hier elektronische Musik, oder wie er es selbst präziser formulierte „Musik mit elektronischen Mitteln“, die zu diesem Zeitpunkt in Ostdeutschland noch eine Randerscheinung war. Schon seit 1976 hat Lakomy mit der elektronischen Klangerzeugung experimentiert. Ihn habe vor allem die Faszination gereizt, allein oder mit geringstem personellen Aufwand Musik zu machen, die den großen Klängen eines Symphonieorchesters in nichts nachstehe, erklärte Lakomy einmal dem Berliner Rundfunk.
Elektronisches Palastkonzert
Der Mitschnitt ist in zwei Teile gegliedert. „Am Anfang“ trägt Reinhard Lakomy solo vor. Über eine Spielzeit von rund 24 Minuten schält Lakomy aus regenähnlichen Klängen sukzessive majestätische Klangwelten hervor. Wie eine Collage bauen sich Ideen auf, stürzen ein, trudeln ins Nichts, morphen sich in andere Formen, ändern ihre Gestalt und Stimmung. Lakomy zeigt sich hier als großer Arrangeur, Dirigent und Improvisator. Alles hier ist in Bewegung, nichts wiederholt sich. Ein waberndes, pulsierendes Stück Eigenwilligkeit. Im zweiten Teil mit dem Titel „Solitaire“ begleitet ihn Saxofonist Andreas Bicking, den man auch als Mitglied der Manfred Krug-Band kennt. Dieses Stück ist treibender, konkreter, tanzbarer und näher am Dream-Pop.
Experimentelle Collage
Zusammenfassend zeigt „Elektronik“ eindrucksvoll, wie visionär Reinhard Lakomy seiner Zeit voraus war. Der Konzertmitschnitt dokumentiert nicht nur seine außergewöhnliche musikalische Vielseitigkeit, sondern auch seinen Mut, in der DDR neue klangliche Wege zu beschreiten. Zwischen experimenteller Klangcollage und atmosphärischer Eingängigkeit entfaltet sich ein Werk, das gleichermaßen anspruchsvoll wie faszinierend ist. Damit erweist sich die Veröffentlichung nicht nur als würdige Erinnerung an Lakomys 80. Geburtstag, sondern auch als eindrucksvolles Zeugnis eines Künstlers, der die ostdeutsche Musiklandschaft nachhaltig geprägt hat.
„Palastkonzert“ von Reinhard Lakomy erscheint am 10.04.2026 bei Lacky Musik. (Beitragsbild: Albumcover)





