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6. Dezember 2024Im letzten Teil seiner Romantrilogie erzählt Reinhard Kaiser-Mühlecker die Geschichte der Luisa Fischer
von Sebastian Meißner
„Brennende Felder“ ist der letzte Teil der Geschwister-Trilogie von Reinhard Kaiser-Mühlecker, zu der ebenfalls die Romane „Fremde Seele, dunkler Wald“ (2016) und „Wilderer“ (2022) gehören. Die Figuren und das Setting in der österreichischen Provinz sind also bekannt. Das mit dem Österreichischen Buchpreis 2024 ausgezeichnete „Brennende Felder“ funktioniert aber auch ohne Kenntnis der Vorgänger. Diesmal aber steht die junge Luisa Fischer im Zentrum der Erzählung – eine tief in ihrer Umgebung verwurzelte Person, die sich jedoch zunehmend von der Realität des ländlichen Lebens entfremdet fühlt.
Auseinandersetzung mit der Herkunft
Luisa ist eine unsichere, vielleicht sogar verrückte, ganz sicher aber eine widerständige Figur, die sich um Konventionen wenig schert. Sie möchte Schriftstellerin werden, geht eine Beziehung zu ihrem Stiefvater ein, zieht mit ihm zurück in das Kuhdorf, aus dem sie stammt, kommt später mit dessen vermeintlichem Mörder zusammen und hat zu ihren Kindern kaum eine echte Bindung. Ihre Geschichte ist die eines inneren Suchens, einer Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft und der Frage, wie sie mit den Traditionen, den familiären Erwartungen und der Unvermeidlichkeit der ländlichen Isolation umgehen soll. Die „brennenden Felder“ im Titel sind ein zentrales Motiv, das Luisas innere Zerrissenheit widerspiegelt. Sie symbolisieren nicht nur die reale Gefahr von Bränden, die die Felder bedrohen, sondern auch die zerstörerische Kraft von Konflikten und der Unfähigkeit, mit der eigenen Vergangenheit und den ständigen Anforderungen der Umwelt zu leben.
Reinhard Kaiser-Mühleckers bohrender Unterton
Was dieses Buch so mitreißend macht, ist Kaiser-Mühleckers seltene Gabe, still und gefasst zu erzählen und dennoch die ganz großen Emotionen zu wecken. Wie Reinhard Kaiser-Mühlecker die sprunghafte Figur der Luisa Fischer schildert, ist nicht der einzige Trumpf dieses Romans. Auch wie er immer wieder erzählerische Wendungen einpflegt und dabei fast beiläufig Weltgeschehen, Zeitgeist und Abgründiges aufzeigt, ist ganz große Erzählkunst. Dabei entwickelt sich die Geschichte unter der Handlungsebene auch formal beständig weiter. Der Unterton, dass in dieser Geschichte irgendetwas ganz fundamental nicht stimmt, ist zu Beginn nur erahnbar. Im Laufe der Zeit fördert dieser Ton immer mehr Aufmerksamkeit, am Ende ist es ein kaum zu ertragenes, schmerzhaft lautes Störgeräusch, das die eigentliche Geschichte überlagert. Ganz schön mächtig.
Reinhard Kaiser-Mühlecker: „Brennende Felder“, S. Fischer-Verlag, Hardcover, 368 Seiten, 978-3-10-397570-3, 25 Euro.





