Red Hot Chili Peppers: The Getaway – Album Review

Red Hot Chili Peppers: The Getaway – Album Review

Vielseitiger denn je, typisch wie immer: Mit „The Getaway“ übertreffen sich die Red Hot Chili Peppers selbst

von Sebastian Meißner

Wild, virtuos, wandelbar: Seit 33 Jahren sind die Red Hot Chili Peppers eine der aufregendsten Bands dieses Planeten. Welche Qualität sie noch immer haben, bewiesen sie hierzulande zuletzt Anfang Juni bei Rock am Ring/Rock im Park, wo sie vor Energie fast zu platzen drohten – und sämtliche Konkurrenten alt aussehen ließen. Mit dem Titeltrack „The Getaway“ und „Dark Necessities“ spielten sie dabei auch zwei Stücke vom neuen, mittlerweile elften Studioalbum. Es ist ein Meisterwerk geworden. Produziert von Brian Burton (besser bekannt als Danger Mouse) und abgemischt von Klangästhet Nigel Godrich (u.a. Radiohead), trumpft die Band hier noch einmal voll auf.

Wie befreit wirken die 13 Songs, die stilistisch von Funk über Krautrock bis lupenreinem Pop reichen. Die Red Hot Chili Peppers haben sich frei gemacht von Erwartungshaltungen und sind in eine eigene musikuniverselle Sphäre vorgedrungen. Und nachdem der Vorgänger „I´m With You“ noch von Verhaltenheit geprägt war und den Eindruck vermittelte, die Band traue sich ohne den geschiedenen John Frusciante noch nicht zu großen Gesten, ist hier wieder eine intakte Gang zu hören. Josh Klinghoffer hat endlich den Raum, der ihm zusteht. Und er spielt groß auf. Ebenfalls auffällig ist das untrügliche Gespür für traunwandlerische Melodien. Den Chili Peppers gelingen in dieser Hinsicht gleich reihenweise große Würfe, die einem vor lauter Schönheit Freudentränen in die Augen treiben.

Egal ob „Sick Love“, „We turn Red“ oder „Encore“ – die Leichtigkeit, mit denen das um Gastmusiker angereicherte Quartett durch komplexe Akkordfolgen wandert, ist mitreißend. Song für Song ist diese Platte ein Vergnügen. Auch wegen ihrer breiten stilistischen Vielfalt: „Dark Necessities“ kombiniert einen funky Bass mit poppigen Pianoelementen. „We Turn Red“ bietet harte Gitarren und einen zuckersüßen Refrain. „Go Robot“ ist futuristischer Krautrock mit Handclaps und Synthies. „Detroit“ hat eine raue Punk-Attitüde, „The Hunter“ ist elegischer Dream-Pop. Die Kalifornier verschmelzen Genres und erfinden sich mit jedem Song neu. Es sind Klangwelten, die bislang nicht denkbar gewesen.

Erwähnenswert ist auch die Leistung des oft als Schwachpunkt identifizierten Anthony Kiedis. Im Ausdruck gereift und mit deutlich mehr Vielfalt drückt er mit seinem Gesang den neuen Songs mehr Stempel auf denn je. Natürlich werden wieder einige Anhänger dem Rabaukentum der ersten Jahre hinterhertrauern. Was die Chili Peppers aber 2016 vorlegen, ist erhabene, hochmoderne und universale Pop-Musik, die bleiben wird. „The Getaway“ ist das nächste Level einer großen Band.

„The Getaway“ von Red Hot Chili Peppers ist am 17.06.2016 bei Warner Music erschienen.

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