Rebecca Ferguson: Heaven

Rebecca Ferguson: Heaven

Beeindruckendes Soul-Debüt

von Gérard Otremba

Schon nach den ersten Tönen von „Nothing’s Real But Love“, dem Eröffnungsstück von „Heaven“ meint man der Enkelin von Aretha Franklin und/oder Diana Ross, oder wahlweise der Schwester von Amy Winehouse oder der Cousine von Duffy zu lauschen. Rebecca Ferguson verfügt über eine außergewöhnliche Stimme, die dem Soul, ähnlich wie Michael Kiwanuka, wieder Leben einhaucht.

Rebecca Ferguson und ein leidenschaftlicher Gospel

Es ist schon recht merkwürdig, wenn bei den ganzen Castingshows ausgerechnet die Bohlens und Horlers dieser Welt den Kandidaten was von „Töne treffen“ erzählen. Interessiert eigentlich niemanden, es sei denn man heißt Daniel Küblböck und beleidigt alle Ohren. Rebecca Ferguson nahm 2010 an der englischen Castingshow „The X Factor“ teil und Probleme mit „Töne treffen“-Juroren wird sie wohl kaum bekommen haben. Aber, und das ist viel wichtiger, ihre Stimme besitzt Ausdrucksstärke und Charisma. Bei „Nothing’s Real But Love“ zunächst nur von einer akustischen Gitarre begleitet, trifft einen Fergusons Vokalakrobatik, das schwarze Soultimbre mitten ins Herz. Zarte Piano- und Orgelklänge mischen sich ins Klangbild, bevor sich der Song mittels Schlagzeug, Streicher und Backing Vocals nach und nach zu einem leidenschaftlichen Gospel erhebt. Und natürlich ist aus dieser Goldkehle nichts so real wie die Liebe, ist doch klar. Die Soulmesse geht weiter mit dem beschwingten „Glitter & Gold“ samt der bedeutenden Zeile „take care of your soul“.

Mit „Heaven“ gelingt Rebecca Ferguson ein zeitloses Soul-Album

Auf seine Seele und sein Herz sollte man unbedingt bei „Shoulder To Shoulder“ achten. Eine ergreifende Ballade, die einem emotional alles abverlangt, schöner geht es nicht. Die Fröhlichkeit kehrt mit „Fairytale (let me live my life this way)“ zurück. Handclapping sowie Trompeten- und Saxophon-Einsätze bringen den Song zum swingen, groovy und chic. Für „Mr. Bright Eyes“ kokettiert die in Liverpool geborene Rebecca Ferguson mit einer an Duffy erinnernden und einschmeichelnden Kleinmädchenstimme, in „Fighting Suspicions“ dominiert wieder die expressive und dramatische Seite ihrer Stimme, während coole Beats den Song unterwandern und unweigerlich Portishead ins Gedächtnis rufen. „Teach Me How To Be Loved“, die zweite Piano-Ballade auf der Platte, trägt Frau Ferguson mit vielleicht noch mehr Intensität vor als „Shoulder To Shoulder“. Als abgefahrener euphorischer Disco-Soul-Pop-Feger entpuppt sich „Run Free“, die Tanzflächen werden bei diesem Song überfüllt sein. 1978 wären sie es definitiv gewesen. Die zwei abschließenden Stücke, „Diamond To Stone“ und „Too Good To Loose“, besitzen neben dem Disco-Soul-Fever auch noch diesen eleganten und charmanten Barry White-Touch. Herrlich! Oft wird über solche Alben schnell der Stempel „Retro“ gedrückt, doch sagt das rein gar nichts über Musik und Qualität aus. Rebecca Ferguson hat mir „Heaven“ ein großartiges und zeitloses Soul-Album veröffentlicht und brilliert mit ihrer fabelhaften Stimme.

„Heaven“ von Rebecca Ferguson ist im April 2012 bei Sony Music erschienen.

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