Raphaela Edelbauer: DAVE – Die KI der Zukunft

Raphaela Edelbauer: DAVE – Die KI der Zukunft

Ein ziemlich perfekter dystopischer Roman über die mögliche Künstliche Intelligenz der Zukunft von Raphaela Edelbauer

Nach ihrem von Sounds & Books an dieser Stelle rezensierten Debüt „Das fließende Land“ wagt sich Raphaela Edelbauer in das Genre des dystopischen Science-Fiction-Romans. Die österreichische Autorin versetzt die Leser ihres Zweitwerks „DAVE“ in ein Zeitalter der aufgrund eines Katastrophenfalls angeblich unbewohnbaren Außenwelt. Die Menschen leben in Klassen eingestuft in einem riesigen vom Erkennungssystem Red Eccles überwachten Labor, dessen Mittelpunkt DAVE einnimmt, eine Künstliche Intelligenz, die von Programmierern mit Scripts gefüttert wird, um höchstmögliche Rechenkraft und menschliches Bewußtsein zu erlangen.

Raphaela Edelbauer erzählt aus der Perspektive des IT-Experten Syz

Raphaela Edelbauer DAVE Buchcover Klett-Cotta

Einer dieser IT-Experten heißt Syz, aus dessen Perspektive Edelbauer die Geschichte erzählt.  Der 28-jährige Nerd wird von einem Algorithmus auserkoren, derjenige zu sein, dem „DAVE nachgebildet werden soll“. Syz wird in einer Nacht- und Nebelaktion aus dem Bett gezerrt und in die geheime Kommandozentrale um den legendären Professor Fröhlich, dem  Leiter der DAVE-Forschungszentrale. Um DAVE mit Informationen zu füttern, erzählt Syz in nächtlichen Sitzungen Geschichte aus seinem Leben. Als er auf die Spur seines scheinbaren Vorgängers Arthur Witteg gerät und dabei nicht nur eine verblüffende äußere Ähnlichkeit feststellt, sondern sich auch andere Parallelen offenbaren, steigt sein Mißtrauen gegenüber dem DAVE-Projekt sukzessive an. Als Syz sich nicht anders zu helfen weiß, beschließt er, das Labor zu verlassen und in die verboten Außenwelt vorzudringen.

Ein wendungs- und anspielungsreicher Roman

Raphaela Edelbauer hat mit „DAVE“ eine unheimlich raffinierten, wendungs- und anspielungsreichen Roman verfasst. Geradezu spielerisch evoziert sie literarische Klassiker des dystopischen Sci-Fi-Genres, von Bradbury („Fahrenheit 451“), über Orwell („1984“), bis hin zu Huxley („Schöne neue Welt“). Gleichfalls arbeitet die 1990 in Wien geborene Schriftstellerin mit cineastischen Motiven, fügt wissenschaftliche und philosophische Theorien in die Handlung ein, besticht durch wortgewandte Dialoge, konfrontiert die Leser mit ungewöhnlichem Vokabular und entwickelt im Verlauf des Romans noch eine thrillerhafte Atomsphäre. Sprache und Inhalt korrespondieren miteinander auf komplexer und eloquenter Ebene, garniert mit viel Sinn für einen unterschwellig eingebauten, satirischen Humor.

Parallel-, Spiegel- und Simulationswelten

Aufgrund der gewählten Ich-Perspektive führt Edelbauer sowohl ihren Helden als auch die geneigte Leserschaft häufig in die Irre und entwirft ein grandioses Szenario aus möglichen Parallel-, Spiegel- und Simulationswelten. Über allem thront indes für Syz die Frage nach der menschlichen Zukunft in einer postapokalyptischen Zeit mit und unter DAVE, und ob „eine sich selbst erkennende KI besser“ sein solle, „als eine vom Menschen kontrollierte“. Spannende Zukunftsfragen, von Raphaela Edelbauer literarisch ziemlich perfekt eingefangen.

Raphaela Edelbauer: „DAVE“, Klett-Cotta, Hardcover, 432 Seiten, 978-3-608-96473-8, 25 Euro. (Beitragsbild von Victoria Herbig)

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