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4. Juni 2025Album-Comeback nach 24 Jahren: Kann das neue Pulp-Werk „More mit „Different Class“ und „This Is Hardcore“ mithalten?
von Gérard Otremba
Auf die unvermeidliche Frage, ob nun Blur oder Oasis die beste Britpop-Band der 90er gewesen sei, antworten nicht wenige mit Pulp. Und manche erklären „This Is Hardcore“ von 1998 gleich zum wichtigsten und besten Genre-Album. Wo doch auf „Different Class“ aus dem Jahr 1995 mit „Common People“ und „Disco 2000“ die zwei großen Hits zu finden sind. Die Liebe zur Ende der 70er Jahr in Sheffield gegründeten Band um Sänger und Songwriter Jarvis Cocker kann man indes sehr gut nachvollziehen. Ob man Pulp nun Blur oder Oasis bevorzugt, steht aber hier gar nicht zur Debatte. Aber das neue Pulp-Album „More“. Nach unfassbaren 24 Jahren Pause (2001 erschien mit „We Love Life“ die letzte Band-Platte, 2020 „Boyend The Pale“ von Jarv Is) hat es Cocker nochmal mit seiner alten Formation ins Studio geschafft.
Texte vor der Musik fertig
In knapp drei Wochen waren die Aufnahmen beendet. Wichtig für Cocker, der bekennt: „Ich hatte wirklich Sorge davor, ins Studio zu gehen, denn bei ‚This is Hardcore‘ zog sich das alles in die Ewigkeit. Das war wohl auch tatsächlich der Grund, Pulp irgendwann aufzugeben. Es dauerte einfach zu lang, Dinge fertigzustellen. Und das lag zu großen Teilen an mir selbst. Also dachte ich damals irgendwann, lasst es uns einfach stoppen. Es ist für alle eine Qual, ständig darauf zu warten, bis ich meinen Kram beisammenhabe.“
Sogar Texte, die er sonst zumeist am Ende des Schaffensprozesses schrieb, waren vorab schon fertig. Texte über die Vergänglichkeit von Zeit, über den eigenen Reifeprozess und über eigene Gefühle. Mitauslösender Faktor für das neue Album war der Tod von Bassist Steve Mackay, der 2023 verschieden ist: „Ich versuche noch zu verstehen, warum genau wir beschlossen, dass es die richtige Idee sei, eine Platte zu machen. Es hatte zum Teil sicher mit Steves Tod zu tun“, so Cocker.
Die Pulp-Grandezza
Bereits nach einen Hördurchgang kann man bestätigen, dass es eine richtige Idee war, dieses Album zu machen. War die erste, das Album eröffnende Single „Spike Island“ schon ein vielversprechender erster Akt des neuen Werks, so war der soulige, quirlige und tanzbare zweite Vorabtrack „Got To Have Love“ ein Ausbund an Euphorie. Vom Rest des Albums stechen indes die Balladen heraus. Und was sind das für welche! Diese überwältigende und so verdammt wehmütige orchestrale Streicher-Grandezza bei „Hymn Of The North“ gerät zu einem Triumph. Mit Sicherheit einer der bisher schönsten Pulp-Songs.
Das von Cockers Beziehung zu seiner Frau inspirierte, auf Piano und sanften Streichern basierte „Farmers Market“ markiert einen weiteren Höhepunkt dieser ausgesprochen gelungenen Platte. Etwas mehr Pomp und Showtreppe gehören zu „Background“ und man ist erneut ziemlich geflasht. Orchestrale Arrangements sind auch bei anderen Tracks von Wichtigkeit, und das ist schön und gut so. Die Auszeichnung für das Comeback-Album des Jahres geht jetzt schon mal an Pulp.
„More“ von Pulp erscheint am 06.06.2025 bei Rough Trade Records / Beggars. (Beitragsbild von Tom Jackson)





