Pleil: Die Spur des Kalenders – Albumreview

Pleil: Die Spur des Kalenders – Albumreview

Das Solo-Debütalbum des Frankfurter Songwriters Marco Pleil: Auf E-Gitarre und Gesang begrenzt, aber ungemein expressiv

Er ist wahrlich kein Unbekannter in der deutschen Musikszene. Mit seiner ersten Band Strange stand Marco Pleil, den wir an dieser Stelle bereits ausführlich vorgestellt haben,  1996 sogar auf der Bühne bei Rock am Ring. Sein zweites Musikprojekt Cloudberry erspielte sich als Support u.a. von Editors, Nada Surf, Breeders und Ash einen gewissen Indie-Kultstatus und zählte vier Alben auf seiner Habenseite. Seit 2011 ist Marco Pleil solo unterwegs. Die bei uns besprochene EP „Punkt. Statt, Komma“ erschien 2014, mit den von Erdmöbel-Mitglied Ekki Maas produzierten „Zerstörer“ und „Gemeinsam Einsam“ erschienen 2017 zwei weitere Songs.

Zwölf prägnante Songs sind auf dem Debütalbum enthalten

Pleil Die Spur des Kalenders Cover Timezone Records

Solo bedeutet für den „Billy Bragg von Frankfurt“ (Ekki Maas), genau das, die Reduzierung auf Gitarre und Stimme. Zahlreiche Konzerte hat er seit der Cloudberry-Auflösung gespielt, den richtigen Mann an den Reglern für sein Album zu finden hat indes etwas gedauert. Schließlich wurde Christian Bethge, der schon mit Messer, Laura Carbone, Stella Sommer und Gewalt gearbeitet hat, als Produzent für „Die Spur des Kalenders“ engagiert. Pleils Solo-Debütalbum enthält zwölf Songs, die meisten sind 2:30 Minuten lang, wenige etwas länger und einige bleiben gar unter der Zwei-Minuten-Grenze. Charakteristisch für das Album ist das Fehlen von akustischen Gitarren und perkussiver Elemente. Nur E-Gitarre und Gesang sind auf dem in den Mannheimer RAMA-Studio aufgenommenen Album zu hören.

„High Energy“ mit Marco Pleil

Purer Lo-Fi-Rock, für den Marco Pleil häufig unter die Melodie noch eine störrisch-verzerrte Gitarrenspur legt. „High Energy“ verströmt der Mittvierziger im gleichnamigen Opener und resümiert das Leben („Ich habe Chaos gelebt, alle vom Platz gefegt“). Eine Energie, die beispielhaft für das knapp 30 Minuten lange Album steht. Über „die gleichen Pläne“ und „das alte Leid“ singt Pleil charismatisch  in „Bleibt alles anders“ und setzt sich „Menschenzoo“ kritisch mit dem Leben in und mit Social Media auseinander. Prägnante, miniaturhafte Texte sowie Indie-Rock-Gitarrenklänge, die zwischen Euphorie („Die Spur des Kalenders“), Eingängigkeit („Offener Kanal“) und Schwermut („Kleiner Mann“) changieren, sind der Faustpfand dieses instrumental begrenzten, aber ungemein expressiven Albums.

„Die Spur des Kalenders“ von Pleil erscheint am 10.04.2020 bei Timezone Records. (Beitragsbild: Pressefoto)

PLEIL "Melanchronik/Zest" (Live, Köln, Gebäude 9, 28.11.19)

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