Pippa: Idiotenparadies – Albumreview

Pippa: Idiotenparadies – Albumreview

Pippa wagt auf ihrem Zweitwerk „Idiotenparadies“ mehr Experimente

Bereits eineinhalb Jahre nach ihrem bei Lotterlabel veröffentlichten Debütalbum „Superland“, lässt Pippa ihr Zweitwerk folgen. War „Superland“ noch von Sixties-Grandezza-Indie-Pop meets NDW geprägt, erweitert die österreichische Songwriterin auf „Idiotenparadies“ ihr musikalisches Spektrum konsequent weiter. Der Pippa-Pop changiert immer noch zwischen Leichtigkeit und Schwermut, und erlaubt sich einige neue Tricks und Referenzen. Die unter dem Namen Phillippa Galli 1985 in Wien geborene Künstlerin geht ihrer musikalischen Leidenschaft auf „Idiotenparadies“ noch unbeirrter nach.

Pippa und die Alternativen

Pippa Idiotenparadies Cover LasVegas Records

Diejenigen, die ihr einst auf dem Musikgymnasium mangelndes Talent und fehlenden Ehrgeiz vorwarfen, hat sie bereits mit „Superland“ eines Besseren belehrt. Ihr Potential beweist Pippa nun mittels ausgeprägter Experimentierfreude. Wie moderner Pop ohne Mainstreamanbiederung funktioniert, zeigt die Songwriterin schon im Opener „Dystopia“. Nach federleichten fünf Sekunden setzen schwere Drums ein, während Pippas an Naima erinnernde, klare und verträumte Stimme nach Alternativen sucht („Wo ist die schöne neue Welt / Wo ist die Antwort ohne Geld / Irgendwo, irgendwo, irgendwo“). Ein sich anschleichender Indie-Electro-Pop-Song, der sich mit jedem neuen Hördurchgang als immer größer werdender Ohrwurm entpuppt. Und als ungewollter Soundtrack für die Corona-Zeit, veröffentlichte ihn Pippa doch bereits im Januar als ersten Vorabtrack. Sharon Van Etten meets Sophie Hunger.

Album-Highlights

Im quietschbunten, von Sounds & Books als Song des Tages vorgestellten und von Rapperin Nora Mazu unterstützten „Egal“ rechnet sie mit der allgemeinen Gleichgültigkeit ab, während das tieftraurige „Meine Traurigkeit“ („Meine Traurigkeit und ich, wir zwei sind immer zu zweit“) einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Zu den weiteren Highlights des Albums zählen der erhabene Titeltrack, das anmutige „Warte wieder“ sowie die vertrackte Liebeserklärung an Wien, „Wien, du machst mich verrückt“. Das live eingespielte „Coco Chanel“, das klassisches Liedermachertum mit Boss-Nova-Klängen paart, feiert Pippa zum Abschluss das Unperfekte und vermeintliche Schwächen („Es lebe der Zweifel und die Unsicherheit“). Ein außergewöhnliches Alternative-Pop-Album voller Wendungen, Tricks und guter Ideen.

„Idiotenparadies“ von Pippa erscheint am 28.08.2020 bei LasVegas Records. (Beitragsbild von Hilde van Mas)           

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PIPPA - Dystopia (official Video)

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