
Songs des Jahres 2014
23. Dezember 2014
Schriftstellerin Karen Köhler im Interview
30. Dezember 2014Von illegalen DDR-Konzerten bis hin zu „Tage wie diese“
von Gérard Otremba
Campino und seine Toten Hosen, eine faszinierende, über 30 Jahre alte Bandgeschichte, die „Spiegel“-Redakteur Philipp Oehmke in der autorisierten Biographie Am Anfang war der Lärm niedergeschrieben hat. Es ist die wundersame Story eines Düsseldorfer Punks, der mit seiner, aus der Band ZK hervorgegangenen Formation Die Toten Hosen vom Spaß-Bürgerschreck zur bekanntesten deutschen Rock-Band avancierte. Oehmke verfolgt die Karriere der Toten Hosen seit Ende der 80er Jahre und interviewte die Band zum ersten Mal 1992. Mit der Zeit bekam er tiefere Einblicke in die Bandstruktur und begleitete Die Toten Hosen auf diversen Tourneen und sprach während der Recherche für das Buch mit Band- und Familienmitgliedern, ehemaligen Weggefährten und Personen aus dem aktuellen Umfeld. Herausgekommen ist eine amüsante, nie verklärende, aber stets interessante und lesenswerte Bandbiographie. Das Buch lebt von lustigen Anekdoten, wie der vom Gründungsmythos der Band:
„Andi Meurer hatte einen Bass, er würde versuchen, darauf zu spielen. Walter Hartung, ab sofort Walter November in Anlehnung an Gene Ocktober von Chelsea, werde zweiter Gitarrist, Kuddel müsse ihm das nur noch beibringen. Proben wollten sie erst mal bei Trinis Freund Muscha, der ein Loft um die Ecke hatte, auf der Kölner Straße, wo ein Schlagzeug stand. Um alles weitere – Auftritte, Plattenverträge, Geld und Ruhm – würde sich Jochen kümmern, der Lichtblick der Vernunft. Sein Plan: die Band bei drei Plattenfirmen gleichzeitig anbieten, die Vorschüsse kassieren und dann mit dem Geld abhauen. Alle fanden das einen absolut einleuchtenden Plan.“
Nun, abhauen mussten die Hosen nicht, kokettierten die Hosen doch bereits in der Frühphase ihrer Karriere mit Mainstreammedien, von Auftritten bei Formel Eins, über Artikel in der Bravo. Wer sich zwischen 1982-1986 für Rock-Pop-Musik interessierte, wird damals schon Frühwerke wie „Reisefieber“, „Opelgang“, „Eisgekühlter Bommerlunder“, „Liebesspieler“, oder das „Altbierlied“ unweigerlich mitbekommen haben. Heute kämpfen Campino, Kuddel, Breiti, Andi und Vom gegen die Vereinnahmung ihres letzten Riesen-Hits „Tage wie diese“, der auf jeder Sportveranstaltung und in jedem Bierzelt bis zum Abwinken gegrölt wird und durch die CDU-Größen Volker Kauder und Hermann Gröhe nach deren Wahlsieg 2013 vor laufenden Kameras einen zweifelhaften Bekanntheitsgrad erlang. In den 80ern war das noch anders. Damals traten Die Toten Hosen noch illegal in der DDR und anderen Ostblockstaaten auf. Und was sie dort erlebten, ist in Am Anfang war der Lärm heiter-gefährlich nachzulesen.
Philipp Oehmke: Die Toten Hosen – Am Anfang war der Lärm, Rowohlt Verlag, Hardcover, 978-3-498-07379-4, 19,95 €.
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