Peter Richter: August – Roman

Peter Richter: August – Roman

In seinem neuen Roman „August“ schaut Peter Richter mit einem geschärften wie ironischen Sinn für das Detaillierte hinter die Fassaden der Oberflächlichkeit

Für vier Wochen im August wollen zwei Paare ihrem New Yorker Alltag entfliehen und entspannen. Sie nennen es „sommern“ und verbringen die Zeit in den Hamptons auf Long Island. Dort, wo sich die Superreichen der Ostküste Amerikas ihre Feriendomizile leisten. Zu denen gehören Richard und Stefanie sowie Vera und Alec jedoch nicht, auch steht das mit einer für Gäste lediglich beengten Hütte ausgestattete Bungalow auf der falschen Seite des Highways und muss ab September wieder anderweitig vermietet werden. Aber diesen gewissen Luxus sowie die gefühlte Zugehörigkeit zur amerikanischen Upperclass können sich der als Immobilienmakler zu Geld gekommene Richard sowie seine in den 90er-Jahren in Deutschland als Musikfernsehmoderatorin bekannt geworden Frau Stefanie locker leisten.

Trügerische Idylle

Peter Richter August Cover Hanser Verlag

Eingeladen hat Richard seinen alten Freund Alec, einziger Amerikaner dieses Settings, den er einst in der Rave-Hochzeiten in Berlin kennengelernt hat und dessen als Ärztin in einem New Yorker Krankauhaus schuftende Frau Vera. Während die Kleinkinder vergnügt herumtollen, chillen die Erwachsenen am Pool bei Drinks und Jazz-Musik von Wayne Shorter und Dexter Gordon. Eine trügliche Idylle, die im Verlauf des Romans auseinanderbricht, schaut Peter Richter doch mit einem geschärften wie ironischen Sinn für das Detaillierte hinter die Fassaden der Oberflächlichkeit. Für den Schriftsteller Alec wird das Buchprojekt über Kommunen und sonstige Möglichkeiten des Zusammenlebens zu einer ähnlich großen Herausforderung wie die Partnerschaft mit Vera sowie die zwangsläufige Nähe zu Richard und Stefanie.

Ein instabiles Beziehungsgeflecht

Richters Figuren sind mittendrin in (Beziehungs-)Krisen, die umso deutlicher zum Ausdruck kommen, als Richard die Studentin Charlotte als Kindermädchen anstellt („Ein Hauch von Eifer- wie allerdings auch Sehnsucht schwebte an den flirrenden, heißen Nachmittagen wie ein unaufgelöster Akkord über dem Pool, seit Charlotte dort das ohnehin fragile Gefüge durcheinanderbrachte. Die Atmosphäre war nach ein paar Tagen dermaßen aufgeladen, dass sogar eine harmlose Bemerkung der Kinder am Morgen Stunden später noch wie eine Zündschnur wirken konnte.“). Für einen nicht minder bedeutenden Störfaktor des instabilen Beziehungsgeflechts sorgt ebenso  „Der Kaunsler“, ein ratgeberschreibender Guru, der Stefanie seit geraumer Zeit auf einen Selbstfindungstrip samt Globuli und sonstigen Esoterikzusätzen schickt und zu einem persönlichen Besuch erscheint.

Peter Richter hat ein großartiges literarisches Kleinod verfasst

Peter Richter, der mir seinem von uns an dieser Stelle vorgestellten Roman „89/90“ 2015 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis stand, versinnbildlicht mit der Auswahl seiner Figuren die Krise der liberal-kapitalistischen Gesellschaft. Der einstige Korrespondent für die die Süddeutsche Zeitung in New York beweist sich hierbei als subtiler Satiriker und messerscharfer Analyst, der seine Protagonisten nicht am Nasenring durch die Manege führt, sondern als diskursbedachte Menschen zeichnet, die im Alter von circa 40 Jahren auf eine innere Leere treffen und ihre Ideale zerplatzen sehen. Richter schreibt mit einer stilvollen Eleganz und man ist dankbar für dieses großartige literarische Kleinod von 250 Seiten, das geradezu leise wirkt im Vergleich zu der um sich grassierenden Gender-Identitäts-Diversitäts-Literatur. Ein leiser, feiner und inhaltlich akzentuierter Gesellschaftsroman, der an die Shortlists diverser Buchpreise klopft.

Peter Richter: „August“, Hanser, Hardcover, 256 Seiten, 978.3-446-26763-3, 22 Euro. (Beitragsbild: Buchcover) 

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