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13. März 2026Wie gut Americana aus Süddeutschland klingen kann, beweist der Karlsruher Singer-Songwriter Pete Jay Funk nun auch mit seinem Solo-Debüt.
von Werner Herpell
Dieses Namedropping dürfte bei Sounds & Books-Lesern Vorfreude auslösen: „Neil Young und Jeff Tweedy jammen mit Bonnie ‚Prince‘ Billy, und Johnny Cash schaut für einen Song im Studio vorbei“, so beschreibt der Karlsruher Singer-Songwriter Pete Jay Funk einige für diese Community höchst attraktive Koordinaten seines ersten Soloalbums. Und der Mann kann sich dieses Selbstbewusstsein sogar leisten, die damit geweckten Erwartungen sind nicht übertrieben: „Perfect Cloudy Day“ ist eine Platte, die Funks (und unsere) Country- und Folkrock-Helden respektvoll würdigt, ohne sich krampfhaft an dieser Verehrung abzuarbeiten. Eine Retro-Scheibe ohne peinlichen Beigeschmack gewissermaßen.
Roots-Musik ohne Americana-Klischees
Wenn Peter J. Funk (so der bürgerliche Name des gebürtigen Stuttgarters) in „Neon City Lights (Dear John)“ Emmylou und Townes erwähnt, spürt man die tiefe Verbindung des Sängers und Gitarristen mit den Roots-Ikonen. Aber Harris und Van Zandt sind hier lediglich clevere lyrische Hinweise für Eingeweihte, quasi der kleine Aha-Effekt für zwischendurch, während die Musik ihre ganz eigenen, patinafreien Bilder im Kopf erzeugt. Platte Americana-Klischees bleiben auf „Perfect Cloudy Day“ sowohl in Funks oft melancholischen Kompositionen (viermal zusammen mit Bassist Oli „Earl Grey“ Grauer) als auch in den Texten außen vor – keine geringe Leistung in einem so überlaufenen wie zitierfreudigen Genre.
Was nicht heißt, dass dieses Album sich nun auffällig um eine „Modernisierung“ von Country-Rock, gar um zeitgemäß aufgepimpte C&W-Sounds à la Beyoncé bemüht. „Ein Album wie in den 70ern“, komplett live aufgenommen, „ohne Netz und doppelten Boden“, war das Ziel der Sessions in den Karlsdorfer Kangaroo Studios, und dieses Versprechen wird in jedem der zehn Songs zuverlässig eingelöst. Getragen von einem überragenden Quartett süddeutscher Studio-Asse und der filigranen Produktion von Rolf Ableiter (Field Commander C.), präsentiert sich der Frontmann der im Ländle seit langem populären Americana-Band No Sugar, No Cream auf der Höhe seines Könnens als versierter Traditionalist (und nicht zuletzt als sensibler Sänger in Michael-Stipe-Nähe).
Tapetenwechsel für Pete Jay Funk
Wenn etwa im Opener „Three Brothers“ die prächtige Orgel von Keyboarder Klaus Eichberger und Stefan Rollers seufzende Pedal-Steel-Gitarre ein romantisches Seventies-Westcoastpop-Feeling erzeugen, lässt man sich sofort gern auf Pete Jay Funks Zeitreise ein. Die Geschichte von den Flugpionier-Brüdern Wright und anderen historischen oder biblischen Gestalten in „Kitty Hawk (Kill Devil Hills)“ ist in ein treibendes Folkrock-Arrangement verpackt, das auch den Jayhawks zur Ehre gereicht hätte. „Belfast Road“ erzählt berührend von den bis heute spürbaren Auswirkungen des offiziell bis 1998 dauernden nordirischen Bürgerkrieges, der auf der Insel als „The Troubles“ verharmlost wird. Ein eloquenter Texter ist der studierte Amerikanist Funk nämlich auch. Der balladeske Titelsong lässt mit Bob Dylan ein weiteres Funk-Vorbild durchschimmern.
„Ich hatte so viele Songs geschrieben und brauchte einen Tapetenwechsel“, sagt der Journalist einer süddeutschen Tageszeitung. Da musste etwas raus, vorzugsweise in einem neuen Band-Umfeld (neben den drei bereits Genannten noch der brillante Schlagzeuger Marcel Millot), mit einigen zusätzlichen Stil-Ingredienzien („It’s Been A While“ mit dezentem Cash-Flow, hier und da eine feine Prise „Van The Man“). Wie gut das letztlich funktioniert und auf der Bühne rüberkommt, war am Vorabend der Album-Veröffentlichung bei einem umjubelten „Release-Party“-Konzert im Karlsruher Traditionsclub „Tollhaus“ zu hören. Also wie war das nochmal? „Neil Young und Jeff Tweedy jammen mit Bonnie ‚Prince‘ Billy, und Johnny Cash schaut für einen Song im Studio vorbei.“ Passte auch live, gern mehr davon. Ein starkes Solo-Debüt – Congrats nach Karlsruhe.
Das Album „Perfect Cloudy Day“ von Pete Jay Funk ist am 13.03.2026 zunächst im Eigenvertrieb via Künstler-Website erschienen. (Beitragsbild von Werner Herpell)





