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24. Juli 2025Mit seiner sensationell gut gereiften Stimme kann Paul Weller wirklich alles singen. Aber muss es wieder ein Cover-Album sein? Und ob.
von Werner Herpell
Ein Cover-Album von Paul Weller? Man stutzt zunächst, denn „nötig“ hätte der Modfather es ja nicht, sich bei fremdem Material zu bedienen, so kreativ wie er auch im gehobenen Rockstar-Alter noch ist. Erst vor gut einem Jahr kam das hochgelobte „66“ (zum 66. Geburtstag des Britpop-Großmeisters) heraus, laut Sounds & Books „eine reife und ergreifende Platte“. Und davor klang auch schon „On Sunset“ „fast wie eine Best Of von Weller mit bisher unbekannten Titeln“, also super.
Gute Gründe, nach El Dorado zu suchen
Wenn Weller nun für „Find El Dorado“ gleich 15 mehr oder weniger berühmte
Songs anderer Autoren singt und spielt, dann muss er dafür gute Gründe haben. Die bisherigen Erfahrungen mit einem reinen Cover-Album können es nicht sein, denn der erste Versuch „Studio 150“, mit viel 60er/70er-Jahre-Zeug von Singer-Songwritern wie Tim Hardin, Gil Scott-Heron, Allen Toussaint, Gordon Lightfoot, Bob Dylan, Burt Bacharach und Neil Young, ging nach Auffassung vieler Kritiker ziemlich daneben, war eine seiner schwächeren, uninspirierteren Platten der 2000er-Jahre.
Diesmal reicht schon der Opener „Handouts In The Rain“, im Original von Woodstock-Legende Richie Havens (1941-2013), um alle Zweifel am Gelingen des neuerlichen Cover-Projekts zu vertreiben. Wie gefühlvoll Paul Weller mit seiner sagenhaft gut gereiften Stimme diesen intensiven Folksong zelebriert, wie der befreundete Ire Declan O’Rourke mit seinen jugendlicheren Vocals in der zweiten Strophe hinzutritt, wie zwei Gitarren und das Klavier von Wellers ältestem Buddy Steve Craddock einander virtuos umschlingen …





