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21. April 2026Eine ausführliche und kurzweilige Oral History zu Paul McCartney und seiner Band Wings
von Gérard Otremba
Johnny Cash brachte Paul McCartney auf die Idee einer Bandgründung. Die Beatles waren Geschichte, die ersten beiden Soloplatten erschienen – die Journalisten meinten es mit „McCartney“ (1970) und „RAM“ (1971) so ganz und gar nicht gut – und Paul McCartney sah einen Auftritt von Johnny Cash mit seiner Band, The Tennessee Three, im Fernsehen. „Wow, der hat eine Band“, waren seine ersten Gedanken über Cash, den er „nicht für einen Band-Typen gehalten“ hat. Überlegungen, eine Post-Beatles-Band zu gründen waren zwar schon vorhanden, aber nun fragte er spontan seine Frau Linda, ob sie Lust habe, in einer Band zu spielen, und diese sagte prompt „Ja“.
Von Paul McCartney bis zu Dustin Hoffman
Das war 1971 und der Startschuss von Wings, der neuen Band von und mit Paul McCartney, die zwischen 1971 bis 1979 sieben Studio- und ein Live-Album veröffentlichte, die sich in den USA alle in den Top-Ten platzierten, darunter fünf Nummer-1-Alben (ähnlich erfolgreich waren Wings auch im heimatlichen UK). „Wings – Die Geschichte einer Band on the Run“ zeichnet den Werdegang mittels einer Oral History nach, herausgegeben vom amerikanischen Historiker Ted Widmer, der als Editor die Einleitung sowie begleitende Worte zu den einzelnen, chronologisch aufgeteilten Kapiteln beisteuert. Neben Paul McCartney – der auch für das Vorwort sorgt – kommen die ehemaligen Beatles-Kollegen John Lennon, George Harrison und Ringo Starr zu Wort, selbstverständlich alle Wings-Mitglieder (von denen lediglich Gitarrist Denny Laine neben den McCartneys die gesamte Zeit von zehn Jahren dazugehörte), aber auch Persönlichkeiten wie Steve Jobs, Timothy Leary, Leonard Bernstein, Mick Jagger, Michael Jackson und Dustin Hoffman.
Die Picasso-Story
Der in Jamaika den Film „Papillon“ drehte, während Paul McCartney dort zum Thema Reggae recherchiert hat, als es zum Treffen der beiden kam. Bei dem sie sich über den kurz zuvor verstorbenen Pablo Picasso unterhielten und McCartney spontan einen Song begann: „All das habe ich Paul McCartney erzählt. Er schlug einfach ein paar Akkorde auf der Gitarre an, und ich schwöre bei allem, was mir heilig ist, dass er anfing, die Geschichte, die ich ihm gerade über Picasso erzählt hatte, in einen Song verpackt zu singen – das kam einfach so aus ihm heraus“, sagt Hoffman über die Entstehung von „Picasso’s Last Words (Drink To Me)“ aus dem Album „Band On The Run“.
Auch Fans und ein Gefängniswärter aus Japan sind in diesem Buch verewigt, da die Wings-Tour im Jahr 1980 ebendort nach der Verhaftung McCartney wegen Haschischbesitz bei der Einreise abgesagt worden ist. Zahlreiche, bisher auch unveröffentlichte Fotos, Kurzbiografien der Wings-Mitglieder sowie eine ausführliche Diskographie samt Liner-Notes zu Alben und Singles versvollständigen dieses prächtige Wings-Buch. Ein kurzweiliger Einblick hinter die Wings-Kulissen und für Fans ein absolutes Muss.
Paul McCartney: „Wings – Die Geschichte einer Band on the Run“, C.H. Beck, übersetzt von Conny Lösch, Hardcover, 549 Seiten, 978-3-406-83997-9, 44 Euro (Beitragsbild: Buchcover)





