Pascal Mercier: Das Gewicht der Worte

Pascal Mercier: Das Gewicht der Worte

Ein erneuter Bestseller für den Schweizer Schriftsteller Pascal Mercier

Nach den beiden in den 90er-Jahren veröffentlichten Romanen „Perlmanns Schweigen“ und „Der Klavierstimmer“ gelang Pascal Mercier 2004 mit dem grandiosen „Nachtzug nach Lissabon“ der ultimative kommerzielle Durchbruch als Autor. Allein im deutschsprachigen Raum verkaufte sich das Buch mehr als zwei Millionen Mal. Übersetzungen in über dreißig Sprachen rundeten den Erfolg ab. Seitdem erschien von Pascal Mercier noch eine Novelle („Lea“, 2007) sowie philosophische Publikationen unter seinem bürgerlichen Namen Peter Bieri. Mit „Das Gewicht der Worte“ knüpfte der Schweizer Schriftsteller an den Erfolg von „Nachtzug in Lissabon“ an. Wochenlang hielt sich das Ende Januar erschienene Buch auf den vorderen Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste.

Das Gewicht der Worte und sie Schicksalsschläge des Lebens

Pascal Mercier Das Gewicht der Worte Cover Hanser Verlag

Merciers Hauptprotagonist Simon Leyland ist nach dem Tod seines Onkels Warren Shawn in seine britische Heimat zurückgekehrt. In dessen herrschaftlichen Haus in London-Hampstead tritt Leyland sein Erbe an und erinnert sich an als Kind verbrachte Zeiten in diesem Gebäude. Eine im Wohnzimmer hängende Karte des Mittelmeeres brachte ihn einst auf die Idee, sämtliche Sprachen des Mittelmeerraumes zu erlernen. Später nutzte Leyland die Gabe und arbeitete als angesehener Übersetzer. Als seine Frau Livia einen Verlag erbte, zogen sie gemeinsam nach Triest. Der relativ frühe und unerwartete Tod seiner Gattin war der erste große Schock für Leyland und die beiden Kinder.

Er führte als neuer Verlagsleiter die Belange seiner verstorbenen Frau weiter, bis sich eins Tages bei ihm  Anfälle mit Sprachstörungen einstellten. Er litt zeitweise unter dem Verlust der Wortfindung und eine sich später als falsch erwiesene Diagnose eines tödlichen Hirntumors stellte Leylands Leben vollständig auf den Kopf. Nur wenige Tage vor der Aufklärung des ärztlichen Fehlers verkaufte er den renommierten Verlag und verlor seinen Lebensmittelpunkt. In London rekapituliert er sein Leben in Briefen an seine tote Frau, beleuchtet und überdenkt er gewichtige Geschehnisse mehrfach. Als nunmehr reicher Mann hilft er finanziell angeschlagenen Freunden und findet nach und nach die Kraft für einen Neuanfang.

Pascal Mercier und die mondäne Welt des Bildungsbürgertums

Erneut versteht es Pascal Mercier mit seiner philosophisch angehauchten, eleganten Sprache zu begeistern. Der 1944 in Bern geborene Schriftsteller wägt das Gewicht seiner Worte immer genau ab und findet die Balance zwischen Einfühlvermögen und intellektueller Aufarbeitung. Das passt natürlich perfekt in die von ihm hier abgebildete, mondäne Welt des Bildungsbürgertums. Die permanenten Selbstreflexionen Simon Leylands sind an manchen Stellen zwar etwas zu viel des Guten. Merciers Sinn für die poetische Kraft und Entfaltung der Sprache indes hebt den kleinen Makel wieder auf. Ein Roman, der für das Verständnis untereinander und die Harmonie miteinander wirbt.

Pascal Mercier: „Das Gewicht der Worte“, Hanser, Hardcover, 576 Seiten, 978-3-446-26569-1, 26 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)                     

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