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12. September 2025Mit langem Anlauf: Parcels gelingt der Sprung in das nächste Niveau-Level
von Sebastian Meißner
Als Parcels 2018 in Erscheinung traten, eroberten sie die Herzen im Sturm. Mit ihrem Proto-Hipster-Look, ihrer handwerklichen Finesse und den tanzwütigen Shows wurden sie schnell zu generationsübergreifenden Lieblingen und Hoffnungsträgern eines totbefürchteten Genres. Das selbstbetitelte Debut bildete alles das wunderbar ab. Doch schon mit „Day/Night“ von 2021 bekam das Bild erste Risse. Die Songs weniger schmissig und entschlossen, die Produktion ungewohnt steril, der Zauber nur noch in Andeutungen vorhanden. Die Australier mit Wahlheimat Berlin standen am Scheideweg. Für das neue, dritte Studioalbum nahmen sie sich entsprechend lange Zeit. Hat sich das Warten gelohnt?
Die neu gewonnene Klasse
Die kurze Antwort vorweg: Ja, hat es. Die lange: Die zwölf neuen Stücke sind erwachsener, kontrollierter und vielschichtiger als alle bisherigen Songs der Band. Parcels klingen darauf immer noch unverschämt lässig und eingängig, zeigen diesmal aber auch Tiefgang und Reife. Ist der titelgebende Opener noch vergleichsweise unentschlossen, zeigen schon die beiden folgenden Tracks („Ifyoucall“ und „Safeandsound“) die neugewonnene Klasse. Beide Stücke überzeugen mit vielstimmigem Gesang, ausgetüftelten Arrangements und eingängigen Melodien. „Safeandsound“ ist dabei einer der absoluten Album-Highlights. Das eigentlich melancholisch gehaltene Stück biegt dank unerwarteter Akkordwechsel immer wieder mal auf die Euphoriespur, durchwandert so eine breite Gefühlspalette und ist in seiner allgemeinen Schönheit kaum zu verstehen. Alleine dieser Song ist den Kauf dieses Albums wert.
Parcels integrieren die Reflexion
Es folgt ein bunter Stilstrauß an hochwertigen Songs. „Yougotmefeeling“ ist ein straighter Floorfiller, „Everybodylese“ ein verschleppter Yachtrock, „Summerinlove“ falsettweicher Funk-Pop, „Thinkaboutit“ lupenreiner Disco und „Iwanttobeyourlightagain“ das psychedelisch-verschrobene Outro. Allen diesen Songs ist eine je eigene Atmosphäre und die volle Aufmerksamkeit der Band eigen. Sie spielen jeden dieser Songs, als wäre er der wichtigste des Albums. So halten Parcels das Level auf „Loved“ dauerhaft hoch. Das Album ist trotz der mehrheitlichen Tanzstücke keine Partyplatte. Es ist die hart erarbeitete neue Garnitur einer Band, der es jetzt gelingt, auch Momente der Reflexion in ihre DNA zu integrieren. Parcels sind zurück.
„Tobeloved“ von Parcels erscheint am 12.09.2025 bei Because. (Beitragsbild von Drew Wheeler)





