Palehound: Dry Food – Album Review

Palehound: Dry Food – Album Review

Der Hoffnungsschimmer

von Sebastian Meißner

Es braucht nicht immer große Songs. Manchmal ist es die Haltung, die überzeugt. Die 21-jährige Ellen Kempner aus Boston ist ein wunderbares Beispiel dafür. Unter dem Namen Palehound veröffentlichte sie bereits 2013 die vielversprechende EP „Bent Nail“. Und nun also der erste Longplayer. Dry Food ist keine Sensation, aber ein heller Hoffnungsschimmer am Indie-Himmel.

Auf acht Songs spannt sie einen weiten Bogen von eingängigem Gitarren-Pop („Molly“, „Sea Konk“) über 70s-Yachtrock („Cinnamon“) bis zu sperrigem Grunge („Cushioned Caging“). Anders als viele ihrer Altersgenossen, die sich am Gitarrensound der 90er orientieren, verliert Palehound sich dabei nicht in Klischees, sondern gibt ihren Songs stets einen überraschenden Spin. Von den Kritikern in ihrem Heimatland wurde sie bereits mit Lob überschüttet. Und auch hier stößt sie damit auf offene Ohren. Vor allem ihre unkonventionelle Gitarrenarbeit ist erfrischend – und fungiert mal als hübsche Verzierung, mal als bedrohliche Note. Ein bisschen Elliott Smith und Pavement, ein bisschen The Breeders und Moldy Peaches, dann wieder Bart Davenport oder Steely Dan: Kempner tut viel, um eine stilistische Einordnung zu verhindern.

Dazu berichtet sie mit unterkühlter Stimme und schonungslos offen aus ihrem Innenleben. In „Dixie“ etwa singt sie über ihre Träume: „People that I’ll never meet have been showing up naked in my dreams / And I try to close my eyes, but I really wanna see their breasts like eyes are staring back at me.“ Im Titelstück formuliert sie die naive Weisheit: „You made beauty a monster to me / So I’m kissing all the ugly things I see.“

Es ist genau diese Mischung aus kindlichem Spieltrieb und seriösen Ambitionen , die Mischung aus Mädchen und Frau, die Dry Food so erfrischend und aufregend macht. Kempner folgt ihrem eigenen Kompass, dessen Nadel vielleicht defekt ist, der sie aber – und damit auch uns –auf unbetretene Pfade führt. Man sollte ihr folgen und sie im Auge behalten. Denn Dry Food ist erst der Anfang. Ein sehr starker allerdings.

„Dry Food“ von Palehound ist am 04.03. bei Heavenly / PIAS Cooperative erschienen.

 

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