Ozzy Osbourne: Ordinary Man – Albumreview

Ozzy Osbourne: Ordinary Man – Albumreview

Ein teils wehmütiges und nach Abschied klingendes Album von Ozzy Osbourne

Zehn Jahre nach Erscheinen des letzten Albums unter seinem Namen und nach der exzessiven Zu-Grab-Tragung der von ihm mitgegründeten Heavy-Metal-Pioniere Black Sabbath veröffentlicht Ozzy Osbourne an diesem Freitag „Ordinary Man“ – das insgesamt zwölfte seit 1980. Eine selbstreflektierende, teilweise wehmütige Platte sowie eine, die an vielen Stellen nach Abschied klingt. Nicht verwunderlich bei einem 71jährigen, der inzwischen an Parkinson leidet, eine Nackenoperation noch nicht überwunden hat und deswegen in den letzten Jahren gehäuft Konzerte absagen musste und auch schon in den vergangenen Jahrzehnten nie mit bester Gesundheit glänzte.

Gelungener Spagat

Ozzy Osbourne Ordinay Man Cover Sony Music

In „Ordinary Man“ zitiert der „Prince Of Darkness“ an mehreren Stellen dezent sein Œuvre und sinniert darüber, ob es im Himmel Tee geben wird („Goodbye“); Pathos, Hall wie Tradition prägen dagegen „All My Life“ – Ozzy, wie man ihn kennt, nach den Glanztaten vergangener Jahre jedoch auch nicht zwingend braucht. Hätte das Album nur den Hauch einer Relevanz, stünde nicht eine Legende mit 50 Dienstjahren vorm Mikro, deren besonderer Sympathiefaktor auch oder gerade aus der Tatsache gespeist wurde, dass er Zeit seines Lebens stets auf die Fresse fiel (und vor allem ebenso oft wieder aufstand)? Durchaus, denn „Ordinary Man“ schafft den Spagat zwischen der Anbindung an das schon immer kommerzieller als das von Black Sabbath ausgerichtete Material seiner „Soloband“ und einer Verordnung im musikalischen Hier und Jetzt.

Ozzy Osbourne erhält Rapper-Unterstützung

Ohne den Input seiner langjährigen Mitstreiter wie z. B. Zakk Wylde, dafür unter der Ägide des Produzenten, Gitarristen und in diesem Fall auch Co-Autoren Andrew Watt, ist „Ordinary Man“ konzeptionell durchaus vergleichbar mit den Alterswerken, die z.B. Rick Rubin mit Johnny Cash oder Neil Diamond veröffentlicht hat. Mit Gästen: In Ozzys Fall wären das Slash und Duff McKagen von Guns’n’Roses, Sir Elton John im Titelsong neben Chad Smith von den Red Hot Chilli Peppers am Schlagzeug. Vor allem aber der Watt-Intimus Post Malone, ein 24jähriger Rapper mit starker Metalcore-Affinität sowie Travis Scott, ein weiterer Rapper, der ebenso wie Post Malone erfolgreiche Kollaborationen mit Kanye West oder Justin Bieber in seiner Vita hat. Metalfans müssen zum Ende des Albums sehr stark sein, das hört man nämlich auch.

Mehr als man von Ozzy Osbourne hätte erwarten können

Wirbelt Song Nummer zehn, „It’s A Raid“ mit Post Malone, wie ein Wirbelsturm durch die Alternative-Rock-Regale, stößt die Endnummer „Take What You Want“ mit Post Malone sowie Travis Scott die Puristen unweigerlich an ihre Toleranzgrenzen mit dem poppigen Trap, der hier fabriziert wird. Anderswo wurde da schon öffentlich gerätselt, ob dies der finale Beweis dafür ist, dass Mr. O nicht mehr Herr seiner Sinne ist oder komplett fremdbestimmt wurde. Aber, ernsthaft: „Take What You Want“ ist eine Klassenummer, die zeitgemäß klingt sowie auch Leuten Laune machen könnte, die noch nicht im letzten Drittel ihrer Lebenserwartung stecken. Das ist, verbunden mit dem mehr als soliden Rest der Scheibe, weitaus mehr als man von dem „Godfather Of Metal“ 2020 noch hätte erwarten können. Die Zeit wird zeigen, ob man dem Duo Osbourne/Watt damit später Respekt zollen oder dies als anbiedernden Ausrutscher eines Has-Beens lesen wird.

„Ordinary Man“ von Ozzy Osbourne erscheint am 21.02.2020 bei Epic / Sony Music. (Beitragsbild: Pressefoto)

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