Ólöf Arnalds braucht keine großen Gesten. Mit Stimme, Gitarre und Klavier baut sie eine eigene kleine Parallelwelt, in die man nur zu gern reinfällt.
von Mia Lada-Klein
Ólöf Arnalds gehört zu den Musikerinnen, die nicht laut auftreten müssen, um Eindruck zu hinterlassen. Seit drei Jahrzehnten bewegt sie sich durch die Popmusik, zuerst als klassisch ausgebildete Sängerin und Geigerin, später als fester Bestandteil von Múm, wo sie einst mit einer Strohgeige samt Hörnern die Bühne eroberte. Den eigentlichen Wendepunkt setzte jedoch ihr Debütalbum „Við og við“, das ihre Handschrift klar definierte und sie einer internationalen Hörerschaft öffnete. Mit dem neuen Werk „Spíra“ kehrt sie nun zu dieser frühen Klarheit zurück.
Ólöf Arnalds: Reduktion als Statement
„Spíra“ ist ein leises Album, das seine Kraft gerade aus der
Zurückhaltung zieht. Der Auftakt „Heimurinn nuna“ besteht lediglich aus Stimme und gezupfter Gitarre, aber schon dieser spartanische Beginn zeigt, wie treffsicher Ólöf Arnalds Atmosphäre erschafft. „Von um mildi“ fügt ein behutsames Klavier hinzu, bleibt aber ebenso unaufgeregt und rührt dennoch. Ólöf Arnalds verzichtet auf große Gesten und entscheidet sich stattdessen für Nuancen, die man eher fühlt als analysieren möchte. Die Songs wirken wie kleine Atempausen, die sich sanft in den Alltag drücken und ihn für einen Moment verlangsamen.
Zwischen Natur, Erinnerung und Zärtlichkeit
Viele Stücke tragen eine persönliche Geschichte in sich. „Stein fyrir stein“ widmet Ólöf Arnalds ihrem Onkel, der nach dem frühen Tod des Vaters Verantwortung übernahm. Das Lied kreist um Natur als Trostspender und Lehrer und klingt dabei so warm wie die Erinnerung, aus der es geboren wurde. Der Titelsong „Spíra“ ist ein zartes Highlight. Fast schwerelos fließt Ólö…
