Nörd: Na und? Wir kennen euch doch auch nicht – Album Review

Nörd: Na und? Wir kennen euch doch auch nicht – Album Review

Indie-Pop, Clubsound, New Wave und großartige Texte

von Gérard Otremba

Die machen schon ziemlich witzige und abgefahrene Musik, die Nerds von Nörd. Die Berliner Band wendet sich auf dem Debütalbum Na und? Wir kennen euch doch auch nicht einem vielfältigen Indie-Elektro-Pop zu, dem zahlreiche Einflüsse zugrunde liegen. Der sensationell zu nennende Albumtitel könnte geradewegs aus dem alten NDR-Comedy-Hörspiel-Klassiker Stenkelfeld entnommen sein, dafür gibt es hier etliche Bonuspunkte. Der „hyperactive Deutschpop“, wie die Gruppe die Musik auf ihrer Facebook-Seite bezeichnet, hat es aber auch in sich. Die Brüder Paul und Leo Eisenach sowie Keyboarder Oded Kadar und Schlagzeuger Gidon Carmel begrüßen ihre Hörer mit fetten Drumbeats, fiependen und knarzigen Keyboardgeräuschen sowie knuffigen Indie-Gitarren in „Ich breche zusammen“. Es vereinigen sich Clubsound, New Wave und Indie-Pop. „Lalala, so fangen alle diese Lieder an, die ich mag, weil man sich dazu bewegen kann. Schlaf ist was für die Autobahn, jaja, alles, was ich heute noch sagen kann“, Hedonismus und Ironie paaren sich in den Nörd-Texten, „Feiern ist keine Freizeit in dieser Stadt, ich breche zusammen“.

Das alles kulminiert in der ungemein euphorisierenden, wahnsinnig legeren, catchy Nörd-Hymne „Drogen“ mit der entzückenden Zeile: „Schuld daran seid ihr, dass ich mich nur auf Drogen amüsier‘“. Das alles chortechnisch verstärkt, zwischen The Police, Franz Ferdinand und NDW springend, schlicht und einfach großartig. Noch mehr NDW und Elektro-Pop findet sich auf „Nah“, während „Rette mich wer kann“ den knuffigen Indie-Pop hoch hält. In der Folge frönen Nörd noch einer Art Blues-Pop („Halb so schlimm“), sanften Folk-Pop („Wesentlich“), Kraftwerk-Dance-Pop („Maschinen“) und Beatles-Dramatik („Krank“), um mit dem Mando Diao-Indie-Disco-Pop von „Keine Sterne“ noch einen ihrer besten Songs zum Abschloss rauszuhauen. Es ist viel los auf Na und? Wir kennen euch doch auch nicht, und lediglich das mediokre „Tageslicht“ und der opulente Prog-Rock von „Benzin“ führen zu Abzügen in der B-Note. Ansonsten jedoch bringen Nörd viel Spaß mit coolen Texten.

„Na und? Wir kennen euch doch auch nicht“ von Nörd ist am 30.01.2015 bei Bring Me Home Records / Rough Trade erschienen.

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