Niels Frevert live in Hamburg 2024

Niels Frevert & Band live Hamburg 2024 Schanzenzelt by Sarah Ismail Sounds & Books

Und dann ist immer noch die Musik. Die von Niels Frevert und seiner Band beim Konzert im Hamburger Schanzenzelt eine ganz besondere, Kneipenchor inklusive.

Text von Gérard Otremba, Fotos von Sarah Ismail

Bei den ersten beiden Zugaben war die Bühne im Schanzenzelt voll, richtig voll. Denn Niels Frevert lud den Hamburger Kneipenchor ein und gemeinsam intonierten sie „Du musst zuhause sein“. Ein Gänsehaut bescherender Moment beim Niels-Frevert-Heimspielkonzert am 28.06.2024 im ausverkauften Schanzenzelt im Hamburger Schanzenpark. Nicht der einzige während der gut 100 Minuten, in denen man fast vergaß, das Freverts aktuelles, und von Sounds & Books rezensiertes Album „Pseudopoesie“ auch schon wieder vor über einem Jahr erschienen ist. Der Kneipenchor blieb zur gesanglichen Unterstützung auch noch für „Ich würde dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn’s nicht meine ist“ auf der Bühne, bevor Niels Frevert und seine Band, bestehend aus Gitarrist Christoph Bernewitz, Bassist Stephan Gade, Martin Hornung an Keyboard und Orgel sowie Hanno Stick am Schlagzeug, den Abend mit „Wann kommst du vorbei“ beendeten.

Es hätten alle Hits sein müssen

Es war das Ende einer 21 Songs umfassenden Setlist, die Frevert mit „Planloser Ritt durch die letzten sieben Jahre“ betitelte. Aber so planlos erschien das alles ganz und gar nicht, denn letztendlich konzentrierte sich der 1967 in Hamburg geborene Musiker auf Songs der beiden letzten Platten „Pseudopoesie“ und „Putzlicht“, garniert mit einigen älteren Stücken wie die schon genannten oder „Niendorfer Gehege“ (zum Fanmitsingen) und „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“. Und  immer mal wieder fragte sich der Rezensent, weshalb einige dieser Songs dann doch keine fetten Hits geworden sind. Frevert schreibt überaus kluge, poetische und mitsingbare Texte, hinterlässt allseits einen sympathischen Eindruck (wie beim Interview mit S&B im letzten Jahr), seine Musik ist zugänglich, mal tanzbar, mal sehnsüchtig-melancholisch, und nicht selten voll von wunderschönen Melodien.

Das Konzert überschlug sich nur so mit Highlights, an erster Stelle sei das schwer umjubelte „Ich suchte nach Worten für etwas das nicht auf der Straße der Worte lag“ genannt (übrigens, wir Journalisten lieben solche langen Songtitel, in diesem Fall auch noch ein genialer dazu).

Die Songwriter-Krone für Niels Frevert

Nicht minder euphorisch nahmen die Fans das hymnische „Brückengeländer“ auf und mit „Nie mehr wie vorher“ gab es ein bisher live erst einmal aufgeführten Song zu hören. Frevert-Musik ist Musik, die gut tut, mithin tröstet und zu Herzen geht. Seit Nils Koppruch nicht mehr unter uns weilt (also seit fast zwölf Jahren), gebührt die Songwriter-Krone Hamburgs Niels Frevert – der sich bei „Kristallpalast“ dann auch mal eine Rock’n’Roll-Pose gönnte. Man hätte die großartigen Songs von „Rachmaninow“ über „Speisewagen“ und „Pseudopoesie“ und „Leguane“ hin bis zu „Immer noch die Musik“ und „Fremd in der Welt“ am liebsten sofort nochmal live gehört, so gut sind sie alle und so phantastisch wurden sie von Frevert und seiner Band gespielt. Man kann es nicht häufig genug betonen: Alle sollten viel mehr Musik von Niels Frevert hören.              

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