Niedeckens BAP live in Hamburg 2022

Niedeckens BAP live in Hamburg 2022

Vier Jahre nach dem letzten Hamburg-Konzert an gleicher Stelle, feiern Niedeckens BAP im Stadtpark erneut ein Fest mit ihren Fans

Wolfgang Niedecken ist zwar Kölns Südstadt-Dylan, aber die Konzerte mit seiner Band BAP sind von ähnlicher Dauer wie die Bruce Springsteens. Da hat sich in den letzten über 40 Jahren nicht viel geändert. Das Konzert am 05.06.2022 vor circa 2500 Zuschauern im Hamburger Stadtpark bildet dahingehend keine Ausnahme. Wie bereits beim letzten Hamburg-Auftritt vor vier Jahren an selber Stelle (Sounds & Books berichtete), stehen Wolfgang Niedeckens BAP drei Stunden auf der Bühne im lauschigen Rund der Stadtpark-Open-Air-Arena. Die Temperaturen nicht ganz so hoch wie im Juni 2018, aber immer noch angenehm warm, wolkig, aber kein Regen, also gute Bedingungen für ein erneutes BAP-Fest.

Beste BAP-Unterhaltung

Vor zwei Jahren haben Niedeckens BAP mit „Alles fließt“ ein neues, sehr gutes Album veröffentlicht, eine gewisse Pandemie verhinderte eine zeitnahe Tour, aber im Sommer 2022 sind gewohnte Konzerte wieder möglich. Die sieben Songs des neuen Albums spielen BAP fast en passant in einem Potpourri aus über 40 Jahren Bandhistorie. Wolfgang Niedecken ist nun 71 Jahre alt, ein Grand Seigneur der deutschen Rockmusik und einzig verbliebenes Gründungsmitglied der Kölner Kultband. Was er aber aus BAP auch im fünften Karrierejahrzehnt noch herausholt, ist mehr als aller Ehren wert. Mit seiner perfekt aufeinander gestimmten, achtköpfigen Band, bestehend aus Multi-Instrumentalistin Anne De Wolff, Keyboarder Michael Nass, Bassist Werner Kopal, Schlagzeuger Sönke Reich, Gitarrist Ulrich Rode sowie Saxophonist Axel Müller, Trompeter Christoph Moschberger und Posaunist Franz Johannes Goltz, bietet er nach wie vor beste Unterhaltung für die mit ihm älter werdenden Fans.

Niedeckens BAP und der „Liebeslieder-im-Sitzen-Block“

Während neuere Stücke zumeist albumgerecht serviert werden, erfahren ältere Songs allein durch den Bläsereinsatz diverse Variationen. Wurde früher „Nemm mich met“ ausschließlich gerockt, verleihen die Bläser diesem Song noch mehr Hymnenhaftigkeit. Die Hinwendung zu mehr Bigband-Sound funktioniert live bereits seit der letzten Tour gar prächtig und beim „Müsli Män“ erklingen nun sogar Blockflöten. Bei 30 Songs auf der Setlist folgen Konzerthöhepunkte im Minutentakt. Der Doppelpack mit „Drei Wünsch frei“ und „Alexandra“ gehört dazu, der „Liebeslieder-im-Sitzen-Block“ mit dem von Fanchor begleiteten „Jraduss“ und dem unverwüstlichen „Jupp“, bei dem sich Gitarrist Ulrich Rode Sonderapplaus für das Intro an der akustischen Gitarre abholt und auch später an der elektrischen glänzt, ebenfalls.

Stoppok und Jan Plewka als Gäste

„Nix wie bessher“ widmet Wolfgang Niedecken dem Trainer des 1. FC Köln, Steffen Baumgart, denn im Gegensatz zum Hamburger Fußball geht unter dem neuen Trainer bergauf beim „Effzeh“. Für die bedrohliche Anklage gegen die Populisten dieser Welt („Wer wählt diese Arschlöcher eigentlich?“, stellt Niedecken die Frage, die viele andere ebenfalls umtreibt), “Ruhe vor’m Sturm”, holen sich Niedeckens BAP Stoppok als Gast an Gitarre und Gesang und für das nachfolgende „Kristallnaach“ Selig-Sänger Jan Plewka, der die Strophen abwechselnd mit Niedecken singt. Ja, ein Song, der auch nach vierzig Jahren immer noch unter die Haut geht.

Und solange Wolfgang Niedecken mit BAP auf der Bühne steht, so lange werden wir uns bei „Verdamp lang her“ die Hände müde klatschen und den Text lauthals mitsingen. Und solange Niedeckens BAP auftreten, werden wir immer noch eine Träne beim unendlich schönen „Do kanns zaubre“ verdrücken (ob mit Wunderkerzen und Feuerzeugen im Publikum, wie früher, oder mit Handylichtern, wie heutzutage). Beide Songs führen die Liste der Top-50-Songs von BAP bei Sounds & Books an.

Niedeckens BAP und der Frauenname mit vier Buchstaben

Und weil immer noch aktuell und irgendwie passend zu Pfingsten, spielen BAP nach sehr langer Zeit wieder mal „Wenn et Bedde sich lohne däät“. Der Frauenname mit vier Buchstaben heißt zwar an diesem Abend nicht „Anna“, sondern Rita („Rita, wir zwei“), aber auch das ein sehr schöner Song. Die letzte Zugabe „Wenn ahm Ende des Tages“ trägt Wolfgang Niedecken wieder im Sitzen vor. Er wollte schon immer mal so eine coole Sinatra-Nummer spielen. Das Cool-Sein hat er zwar gar nicht nötig, es sei ihm aber von Herzen gegönnt. Am Ende verspricht Niedecken, sofern nicht wieder irgendeine Pandemie dazwischenkommen sollte, bei nächster Gelegenheit wieder in Hamburg, wieder im Stadtpark, aufzutreten. Das sind beste Aussichten für den Heimweg nach einem ausgezeichneten BAP-Konzert.    

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