Nico Brettschneider im Portrait

Der Hamburger Liedermacher Nico Brettschneider spielt Folk in der Tradition von Reinhard Mey und Gisbert zu Knyphausen

von Gérard Otremba

„Musik bedeutet mir alles.“ Eine Aussage, wie in Stein gemeißelt. Und man nimmt Nico Brettschneider dieses Statement mit jedem gesprochenen Wort ab. Die Noten vom Stimmbildungsunterricht, den er seit vier Jahren betreibt, noch halb in den Händen haltend, funkeln beim 22-jährigen Hamburger Songwriter die Augen und die Stimme nimmt leidenschaftliche Züge an, kommt man auf das Thema zu sprechen. Zur Musik hat der in Barmbek geborene Brettschneider schon ein sehr langes Verhältnis. „Es existiert eine Videoaufnahme mit mir als Kleinkind und einem Radio in der Hand, das runterfällt und fast kaputt geht“, erklärt er die frühe Affinität zum künstlerischen Medium. Einmal am Wellenempfänger gelauscht, ließ ihn die Faszination der Klänge nicht mehr los. Vom Klavier bis zur Trompete probierte Nico Brettschneider während seiner Hamburger Schulzeit einige Instrumente aus, bevor er mit 15, 16 Jahren an der Gitarre hängen blieb und sich durch einen drei Jahre dauernden Unterricht die Basics des Gitarrenspiels beibrachte. Seine ersten Texte verfasste der Hamburger Jung in der Findungsphase noch in englischer Sprache, nur für sich, da er zur deutschen Sprache noch keine richtige Identifikation fand. Doch wenig später hat es klick gemacht, und „da wusste ich, dass es doch deutsche Texte sein müssen“, sagt Brettschneider.

Nico Brettschneider zwischen Job und Berufung

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Foto: Nico Brettschneider

Letztendlich trug eine Lebenskrise einen wesentlichen Beitrag zu dieser Entscheidung bei. Nach absolvierter Realschule und abgebrochenem Gymnasium, war die Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten auch nicht das wirklich Wahre. Die Suche führte ihn dann zu einer einjährigen Zusatzausbildung in musikalischer Früherziehung, die ihm nun eine Teilzeitstelle im Kindergarten ermöglicht. Mitten in dieser unerquicklichen beruflichen Zeit, entstand der Song „Nordlicht“, dessen Text „einfach aus mir herauskam, ohne darüber nachzudenken“, erinnert sich Brettschneider. Außerdem bestärkte das Lied Brettschneiders Entschluss, Musiker zu werden. „Ich war an einen Punkt gelangt, an dem es mir klar wurde, dass die Musik in meinen Lebensmittelpunkt rücken sollte“, wie der Sänger und Gitarrist jene Lebensabschnittsperiode zusammenfasst. Natürlich befindet sich Nico Brettschneider ganz am Anfang seiner Karriere, der Job im Kindergarten ist lebensnotwendig für ihn. Doch dann heißt es Klinken putzen gehen, Kärrnerarbeit verrichten, Clubs vornehmlich in Norddeutschland kontaktieren, um für sich und seine zweiköpfige Band Auftritte an Land zu ziehen. Und so spielt er, mal solo, mal mit Band, zu der Bassist Frank Zeimys und Gitarrist Rüdiger Rau gehören, in Clubs zwischen Horn, Schanze und Harburg. Der Gig beim Emergenza-Nachwuchsfestival im Jahr 2012 im Knust zählt zu Brettschneiders Highlights, „vor 200 bis 300 Personen aufzutreten und die ganze Atmosphäre, das hatte schon was“, sinniert Brettschneider. Manchmal zieht es Nico Brettschneider auch über die Grenzen Hamburgs hinaus, zum Beispiel nach Lübeck ins Tonfink. Dort erlebte er einen seiner denkwürdigsten Auftritte, denn „die gut 70 bis 80 Gäste waren ganz still und hörten mir zu“, lässt Brettschneider das Konzert Revue passieren. Eine erst mal ungewohnte Atmosphäre für ihn, „zuerst dachte ich, ich hätte etwas falsch gemacht“, war Nico Brettschneider überrascht ob der andächtigen Stille im Publikum. Es scheint im Tonfink zu Lübeck eine sehr verständnisvolle Klientel einzukehren, denn genau so und nicht anders sollte man sich Musikern gegenüber verhalten, besonders Singer-Songwritern, die nur mit Gitarre und Texten auf sich aufmerksam machen. Wie eben Nico Brettschneider, für den die Bühne einen Verbindungsgrad zu den Menschen darstellt, denn dort könne er die Authentizität seiner Texte und Musik direkt und ohne Umwege zu ihnen bringen.

Nico Brettschneider und seine musikalischen Vorbilder

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Foto: Nico Brettschneider

Texte mit Geschichten aus dem Alltag, die „mich nicht mehr loslassen, mich emotional berühren“, sagt Brettschneider. Ist ein Thema erst einmal gefunden, dann „muss ich fast gar nichts mehr machen, dann sprudelt alles aus mir raus“ beschreibt er den Entstehungsprozess seiner Lieder. Durch diese Unmittelbarkeit schafft es Brettschneider seinen Songs „Stadt ohne Farben“, „Sommerregen Blues“, „Worum’s hier wohl geht“ oder „Epikur und sein Garten“, „ohne Verstellung, ein Stück Ehrlichkeit“ zu vermitteln. Stücke, die genauso an Reinhard Mey denken lassen, wie an jüngere deutsche Liedermacher à la Gisbert zu Knyphausen, Nils Koppruch oder Cäthe, die Nico Brettschneider auch zu seinen musikalischen Einflüssen zählt. Besonders hoch im Kurs steht bei ihm die Platte Wo fängt dein Himmel an? von Philipp Poisel, Musik, „die mich kickt“, wie der in seiner Freizeit gerne Pasta in allen Variationen kochende Brettschneider seine Songwriter-Verwandtschaft zum Ausdruck bringt. Aber auch Hamburger Bands wie Tomte und Kettcar sowie internationale Gruppen wie The National und The Decemberists zählen zu seinen Favoriten. Musik, die nicht unbedingt im Mainstreamformatradio zu hören ist, mit der er sowieso nichts anfangen könne, die Produktionen seien ihm „viel zu glattgebügelt.“ Musik mit Ecken und Kanten, am liebsten Live-Alben, dann durchaus auch von Mainstream-Größen wie Joe Cocker, interessiert ihn schon wesentlich mehr. Mit diesem Gefühl der Wahrhaftigkeit soll auch seine erste in Planung befindliche CD ausgestattet werden, mit dem Ziel, „den Live-Effekt, das dabei entstandene Momentum“ bei der Produktion rüberzubringen. Die Möglichkeit, CDs bei Konzerten zu verkaufen, wäre ein großer Schritt in Brettschneiders Karriereplanung. Was dann noch fehle, sei „das Quäntchen Glück, entdeckt zu werden. Jemanden zu haben, der mich richtig ins Musikgeschäft einführt“, so Nico Brettschneiders naher Zukunftswunsch. Eine verständliche und nachvollziehbare Hoffnung, die bald in Erfüllung gehen möge.

Mehr über Nico Brettschneider im Internet unter http://nico-brettschneider.de/ und https://www.facebook.com/NicoBrettschneiderHH?fref=ts

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