Nick Cave: Stranger Than Kindness

Nick Cave: Stranger Than Kindness

Nick Cave stößt die Pforten hinter den Kulissen seiner Arbeit weit auf

Mit Alben wie u.a. „The Good Son“, „Murder Ballads“, „The Boatman’s Call“, „No More Shall We Part“ sowie den auch bei Sounds & Books besprochenen „Push The Sky Away“, „Skeleton Tree“ und „Ghosteen“ hat Nick Cave mit seinen Bad Seeds Musikgeschichte geschrieben. Seine Konzerte, zuletzt die 2013, 2015 und 2017 rezensierten (die aktuelle „Ghosteen“-Tour“ wurde coronabedingt leider abgesagt), sind legendär und geraten ein ums andere Mal zu einem Fest. Über den in Australien geborenen Musiker, der vor knapp sechs Jahren den tragischen Tod seines 15-jährigen Sohnes Arthur verkraften musste, ist nun das Buch „Stranger Than Kindness“ erschienen.

Nick Cave in jungen Jahren

Die „Reise in den kreativen Kosmos des Ausnahmekünstlers Nick Cave“ – wie „Stranger Than Kindness“ auf der Verlagsseite angekündigt wird – beginnt mit einem einseitigen Vorwort des Künstlers selbst. Dort verweist Cave darauf, dass die hier abgebildeten Artefakte „nicht als Kunstwerke betrachtet werden sollten, sondern eher als wilde und zwanghafte Überbauten, die den Song oder das Skript oder die Komposition mit sich bringen.“ In „Stranger Than Kindness“ versammeln sich Notizen, Zeichnungen, Listen, Texte, Entwürfe, Kritzeleien, Manuskripte und Fotos. Fotos von Nick Cave als Kind und in jungen Jahren, darunter eins, auf dem ein von David Bowie beeinflusster, geschminkter Nick Cave bei einem Auftritt Mitte der 70er-Jahre in einer Band zu sehen ist, aus der später The Birthday Party hervorgehen sollten,  sowie Fotos von seinen Eltern.

Nick Caves Wiegensongs

Nick Cave Stranger Than Kindness Cover Verlag Kiepenheuer & Witsch

In der chronologischen Zusammenstellung von Caves „peripheren Dingen“ – wie der Meister diese „Welt, die um die Songs erschaffen wurde und die von ihnen bewohnt wird“ nennt – stoßen wir auf zahlreiche seiner entweder auf Schreibmaschine getippten oder handschriftlich auf Zetteln und in Notizbüchern geschriebenen Songtexte wie die von „Red Right Hand“, Papa Won’t Leave You, Henry“, „The Mercy Seat“ und „Deanna“. Die Namensgeberin für diesen Song, Deanna Bond, die hier auf einem Foto mit Nick Cave zu sehen ist, war nicht gerade glücklich über den Song und fühlte sich „zur Schau gestellt“, wie aus den Kontext-Erklärungen zu den einzelnen Objekten am Ende des Buches hervorgeht. Dort äußert sich auch wieder Nick Cave. Zum Beispiel zum Song „Papa Won‘t Leave You, Henry“, der neben „The Weeping Song“ und „Foi Na Cruz“ zu den Wiegenliedern für seinen Sohn Luke gehörte: „Das ist der Grund, weshalb ein Song wie ‚Papa Won’t Leave You, Henry‘ so lang und wortreich ist. Es war schwer, ihn zum Einschlafen zu bringen Vielleicht habe ich ihm das falsche Lied vorgesungen.“

Schlüssiger Essay von Darcey Steinke

Die Informationen zu allen Fundstücken befinden sich also im Anhang, wo wir Hintergründe über Caves „zwanghafte Angewohnheit“, nackte Frauen zu zeichnen, erfahren, oder wie er in den Beitz der „Kylie Minogue“-Tasche kam. Der Essay „God Is In The House“ der amerikanischen Autorin Darcey Steinke unterbricht die Abbildungen für 23 Seiten. Steinke sieht Parallelen in den Werken Caves und William Faulkners und beleuchtet die religiös-mystischen Aspekte in Caves Texten schlüssig und lesenswert. Die von Christian Lux geschriebene deutsche Übersetzung des Essays sowie der Anmerkungen liegt in einem Booklet bei. Eine begleitende Ausstellung „Stranger Than Kindness“ mit Installationen, Soundscapes und über 300 Ausstellungsstücken ist in Deutschland geplant. Das Buch aber entpuppt sich, obwohl großformatig wie ein Ausstellungskatalog konzipiert, als weit mehr als ein ebensolcher. Nick Cave stößt die Pforten hinter den Kulissen seiner Arbeit weit auf. Wir werden Zeugen einer originellen und bizarren Welt.

Nick Cave: „Stranger Than Kindness“, Kiepenheuer & Witsch, Flexcover, 276 Seiten, 978-3-462-00066-5, 29 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)

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