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1. Juli 2026„Yeah, yeah, yeah, yeah“ und „Thank you, Berlin“. Nick Cave macht mit seinen Bad Seeds die Waldbühne erneut zu seinem Wohnzimmer
Text und Fotos von Gérard Otremba
Am Ende wischte sich Nick Cave ein Tränchen aus dem Augenwinkel. Vor Rührung ob des leisen Gesangs der 24 000 Fans bei „Into My Arms“, der letzten Zugabe seines Konzerts in der vollbesetzten Berliner Waldbühne. Und natürlich auch bewegt von der eigenen Darbietung in den vergangenen 155 Minuten. Ähnlich erging es ihm schon mal eben dort und man erinnert sich noch gut an das großartige Konzert von Nick Cave & The Bad Seeds vor vier Jahren an gleicher Stelle (Sounds & Books berichtete). Am 30.06.2026 trat der australische Songwriter erneut in der Waldbühne auf. Ähnlich wie 2022 erfreute sich die Hauptstadt am schönen Sommerwetter – und im Vergleich zu den enorm heißen Temperaturen am letzten Wochenende war es diesmal mit circa 28 Grad im Schatten geradezu angenehm, als Nick Cave & The Bad Seeds bereits um 19.25 Uhr die Waldbühne betraten und wie beim letzten Mal das Konzert gewohnt überschwänglich mit „Get Ready For Love“ begannen.
Überwältigt vom Charisma Caves
Wem es bis dahin an diesem Tag nur äußerlich warm war, dem sollte es schon beim ersten Song des Auftritts auch warm ums Herz geworden sein. Und dieser Zustand dürfte sich in den nächsten über zweieinhalb Stunden kaum geändert haben. Wie schon zuletzt in der Waldbühne gab es auch diesmal einen Querschnitt aus dem Schaffen des 68-jährigen Musikers zu hören. Zwar immer noch auf der „Wild God“-Tour unterwegs, spielte sein aktuelles Album indes im Gegensatz zur Tour 2024 (Sounds & Books berichtete aus Berlin und Hamburg) mit zwei Songs nur eine untergeordnete Rolle. Und wie auf allen zuletzt von uns besprochenen Konzerten war man am Ende wieder völlig überwältigt vom Charisma Caves, seiner Performance und seiner fantastischen Lieder. Unter den Augen von Wim Wenders und Ben Becker reihte sich ein Höhepunkt an den nächsten.
Die Ansagen von Nick Cave
„From Her To Eternity“ gleich an zweiter Stelle, da brachen bereits alle Dämme. Bei „Tupelo“ mit seinen „yeah, yeah, yeah, yeah“-Rufen schlüpfte Cave in die Rolle des Beschwörers, „Carnage“ kündigte er mit den Worten „this song ist fucking amazing“ an, „Joy“ mit „tiny little word and important word“, „Rings Of Saturn“ als „this song is so beautiful“, „Bright Horses“ als eine Art Manifest – und die Menge lauschte andächtig. Nick Cave und seine zehnköpfigen Bad Seeds um Alleskönner Warren Ellis zelebrierten die insgesamt 21 Songs. Sie hätten auch andere 21 Songs auswählen können, das Konzert wäre ebenfalls sensationell geworden. Wie üblich in den letzten Jahren sprang Nick Cave schnell auf seinen Steg vor der ersten Reihe und kam aus dem Händeschütteln und den ganzen Liebkosungen seiner Hardcore-Fans kaum mehr raus. Für das ein oder andere Autogramm während des Vortrags blieb sogar auch noch etwas Zeit. Die Offenheit gegenüber seinen Anhängern macht den ehemaligen Düstermann, Punk und Junkie ja auch so ungemein sympathisch.
In der Form seines Lebens
Grandioses Highlight: „Henry Lee“ im Duett mit Janet Ramus, die mit ihrer beeindruckenden Soul-Blues-Stimme zu Recht Sonderapplaus erhielt. Bei „Red Right Hand“ begannen auch zahlreiche Fans auf den Sitzplätzen mit dem Tanzen und „Jubilee Street“ geriet wie schon vor vier Jahren zu einem sagenhaften Furor. Das 15-minütige, bezirzende „Hollywood“ beendete den Reigen an diesem prächtigen Abend – und wie Cave es hier schaffte, die Spannung hochzuhalten, war schon allein das Eintrittsgeld wert. „Thank you, Berlin. You’re beautiful people“ bedankte er sich bei den Hauptstädtern. Genauso beautiful wie Caves Songs. Bei „The Weeping Song“ vermissten wohl einige immer noch Gitarrist Blixa Bargeld, aber der ist nun wirklich längst Bad-Seeds-Geschichte. Funktioniert alles auch ohne die Verdienste einiger wichtiger Mitglieder der berühmten Cave-Begleitband. Im Hier und Jetzt – auf der „Wild God“-Sommertour 2026. Es war einer dieser perfekten Open-Air-Tage. Schaut euch Nick Cave so oft es geht live an, er ist immer noch in der Form seines Lebens.
































