Neue Alben von Death By Stereo und Zugezogen Maskulin

Neue Alben von Death By Stereo und Zugezogen Maskulin

Kalifornischer Punkrock von Death By Stereo und Deutsch-Rap aus Berlin von Zugezogen Maskulin

Einmal Punkrock aus Orange County, Kalifornien sowie einmal deutscher Rap aus Berlin. Geht das zusammen? Schon. Beide Werke sind Produkte unserer Zeit und diese macht auf so vielen Ebenen wütend. Besonders in den USA, in denen die Polizei stetig weitere Bürgerrechte aushöhlt. Dabei Menschen ermordet und auf der Straße einkassiert, ohne dass man weiß, wohin diese gebracht werden. Besonders auch in Deutschland, wo deren Kollegen es nicht schaffen Maskenpflicht oder Abstandsregeln beim Schaulaufen rücksichtsloser, egoistischer bis faschistischer Pseudorebellen durchzusetzen (Berlin), während in Frankfurt am Main das konsequent geleugnete Racial Profiling immer selbstbewusster vollzogen wird. In einer Stadt, in der mit „NSU 2.0“ unterschriebene Todesdrohungen von Polizeicomputern vor allem an linke Frauen abgeschickt werden, nicht unbedingt verwunderlich.

Erinnerungen an Slime werden geweckt

„A.C.A.B.“ kommt einem da vielleicht in den Sinn, die von der Hamburger Punkband Slime auf ihrem Debütalbum rausgeschrieene (sowie indizierte) Hymne. Doch – und dass muss gerade in einem Magazin aus Hamburg mal bedauernd erwähnt werden: Mit Slime scheint nach 40 Jahren Schicht im Schacht aus gesundheitlichen neben einigen Gründen mehr, wie die Kollegen von Stormbringer berichten. Erweitern wir also unseren Soundtrack zum kritischen Umgang mit Vollzugsbeamten sowie weiteren Gestalten unter uns, die mit zu viel Macht versehen sind und damit nicht verantwortungsvoll umgehen wollen.

Death By Stereo vereinen klassischen Punkrock bis Hardcore

Death By Stereo We're All Dying Just In Time Cover Concrete Jungle Records

Musikalisch nicht arg weit entfernt von Slime sind die US-Amerikaner von Death By Stereo, die seit knapp 22 Jahren bestehen und mit „We’re All Dying Just In Time“ nach acht Jahren Pause ihr siebtes Studioalbum veröffentlichen. Es vereinigt klassischen Punkrock bis Hardcore, der Freunde der brachialen Testosteron-Mucke aus New York ebenso ansprechen sollte wie Liebhaber der melodiöseren Vertreter, die eher an der Westküste zu finden sind. Das geht durchaus auch mal in einem Song: „Choose A Side Or Open Wide“ zelebriert gleichermaßen Thrash Metal-Leads, breitbeiniges Gitarrengegniedel, Gang-Shouts sowie entspannte Classic-Rock-Läufe, ohne zusammengeschustert zu wirken.

Death By Stereo werben um gesellschaftliche Einheit

Textlich wird auf dem Album u.a. der Umgang im „Home Of The Brave“ mit den Leistungsträgern kritisiert, die nach US-Hardcore-Leseart neben Lehrern zum Beispiel auch Veteranen des Militärs umfasst. Letztendlich versuchen Death By Stereo bei aller Wut, die bei Sänger Efrem Schulz auf gar keinen Fall mit Hass gleichzusetzen ist (wie er in Visions 329 ausführt), die politisch immer weiter auseinander driftenden Amerikaner wieder zu vereinen und sieht sogar (in Ox 151) immer noch optimistisch in die Zukunft. Bleibt unterm Strich ein tolles, abwechslungsreiches Album für Genrefans, das für gesellschaftliche Einheit wirbt, um die Missstände in „Gods Own Country“ noch in diesem Jahr zu beheben.

„We’re All Dying Just In Time“ von Death By Stereo erscheint am 07.08.2020 bei Concrete Jungle Records.

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Zugezogen Maskulin scheuen in der Gegenwart und beleuchten die Vergangenheit

Zugezogen Maskulin 10 Jahre Abfuck Cover Four Music

Eine weit weniger hippieske Weltsicht teilen Zugezogen Maskulin der Welt auf ihrem dritten Album „10 Jahre Abfuck“ mit. Ein Album, mit dem sie gleichermaßen in die Gegenwart schauen sowie ihre Vergangenheit beleuchten, durchaus melancholisch („Exit“), aber auch mit fiesen Spitzen („Rap.de“ – bei diesem Portal trafen sich Testo und Grim104 einst als Praktikanten). „Exit“ kann man darüber hinaus sogar als Ankündigung der bevorstehenden Auflösung lesen – ein weit verbreitetes Phänomen im deutschen Rap, mit etwa 30 in die Rente zu gehen, weil man alles erreicht hat. Dieses „alles erreicht“ bedeutet bei Zugezogen Maskulin, deren Name eine Hommage darstellt an einstmals vergötterte Berliner Gangster-Rapper wie Südberlin Maskulin oder Westberlin Maskulin, jedoch wohl weniger diverse hinter sich gebrachte kommerzielle Höhepunkte.

Zugezogen Maskulin teilen aus

Der bösartig auch „Zecken Rap“ genannte Output der beiden Zugezogenen riss noch nicht mal im Ansatz soviel wie das Werk ehemaliger Straßenkoryphäen wie Sido oder Bushido. Sollte „10 Jahre Abfuck“ einen Abschied einläuten, wäre dies sehr schade. Soundtechnisch ein (unter Mitwirkung von Ahzumjot) großartig produzierter Burner, bei dem textlich ausgeteilt wird gegen immer lauter agierende Antisemiten, sich beim Publikum einschleimende Rapstars, homophobe Testosteronjünger sowie den verlogenen Alternativ-Casanovas, die mit „Feminist“-Shirt genauso ihren Stich machen wollen wie alle anderen. „Alle gegen Alle“ nannten Zugezogen Maskulin ihr zweites Studioalbum, nach dem gleichnamigen Werk von Slime. Die haben uns verlassen, weil sie nichts mehr zu sagen haben. Auf Zugezogen Maskulin trifft das in keinster Weise zu. 

„10 Jahre Abfuck“ von Zugezogen Maskulin am 07.08.2020 bei Four Music. (Beitragsbild: Zugezogen Maskulin von Rob Kulisek

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