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10. Juli 2025My Baby zwischen Trance, Blues und Stilbruch: Für Fans von musikalischem Chaos mit Seele und genug Ausdauer für stilistische Achterbahnfahrten.
von Mia Lada-Klein
Seit ihrer Gründung 2012 gilt My Baby als Garant für mitreißende Live-Shows, bei denen verschwitzte Ekstase und spirituelle Transzendenz Hand in Hand gehen. Mit „Delta Trance Rave“ beschreiben sie selbst ihren Stil. Irgendwo zwischen Blues, Funk, psychedelischem Wahnsinn und Tanzflächen-Voodoo. Und genau da setzt auch ihr neues Album „Echo“ an: hypnotisch, wild und ein kleines bisschen drüber.
My Baby und ihr Echo im Echo im Echo
Schon der Opener „Echo“ ist ein Statement. Ein verschachtelter, schimmernder Song, der – Überraschung – klingt wie ein Echo im Echo im Echo. Jazzige Gitarrenlicks, bluesige Untertöne und hallende Soundflächen: Wer hier Konzentration erwartet, wird in den Strudel einfach mitgezogen. Ein starker Einstieg, der den Albumtitel mehr als verdient. Mit „Ain’t No Turning Back“ geht’s poppiger weiter, fast schon gefällig. Die bluesigen Wurzeln blitzen noch durch, aber die Nummer will nicht so recht zünden. Klingt ein bisschen wie ein Kompromiss mit dem Mainstream. Glücklicherweise folgt mit „Siren Song“ direkt der Gegenangriff: ein experimenteller Track, der sich aus einem kargen Anfang in eine treibende Elektro-Rock-Nummer schraubt. Hier schimmert kurz Garbage durch. Schön schräg, schön mutig.
My Baby und ihr Genre-Hopping galore
„Trying Again“ wechselt plötzlich das Setting. Wir landen in einem 80s-Soundtrack mit souligen R’n’B-Vibes. Okay, wirklich mutig. Dann „Agree To Disagree“: ein jazzig-verträumter Track, der kurz an Erykah Badu erinnert, bevor er sich in seinem eigenen Flow verliert. Spätestens hier stellt sich die Frage: Will das Album zu viel?
Denn ja, Vielfalt ist gut, aber irgendwann wünscht man sich doch ein wenig Stringenz. Ein roter Faden. Oder wenigstens ein türkisblauer. Zwar ist das Konzept des Echos klanglich und inhaltlich immer wieder zu spüren, doch das stetige Hin-und-her zwischen Genres kann auch ermüden.
Jain auf Zucker und Electro mit Herz
Mit „We Agree“ gibt’s einen klassischen Elektrobeat. Solide, tanzbar, aber nichts, was einen aus den Latschen haut. Gefolgt von „Smiley Virus“. Ein Song, der klingt, als hätte Jain eine Überdosis Lolli-Luft geatmet. Süß, verspielt, aber etwas zu quietschig.
Mit „Lightning“ kommt der Abschlusstrack. Ruhiger, rockiger, fast schon introvertiert. Eine echte Verschnaufpause und die Möglichkeit zum Runterkommen. Hier zeigt sich, wie stark My Baby sein können, wenn sie sich fokussieren.
My Baby: Schön wild – aber anstrengend
„Echo“ ist ein typisches My-Baby-Album: abwechslungsreich, mutig, tanzbar und bisweilen hypnotisch. Aber es ist auch ein bisschen wie ein wilder Festival-Trip. Mit Höhen, Tiefen, Glitzer und ein bisschen Reizüberflutung. Man bewundert den Mut, bewundert den Stil, aber manchmal wäre weniger eben mehr gewesen. Dennoch: Wer Klangabenteuer liebt, wird hier fündig.
My Baby veröffentlichen „Echo“ am 11. Juli 2025. (Beitragsbild Philine van den Hul)





