Mountain Caller: Chronicle 1: The Truthseeker

Mountain Caller: Chronicle 1: The Truthseeker

Das britische Indie-Postrock-Shoegaze-Trio Mountain Caller schmeißt mit seinem Debütalbum das Kopfkino an

Mit „Chronicle 1: The Truthseeker“ veröffentlicht das Londoner Trio Mountain Caller sein Debütalbum. Einen ersten Teil einer größeren Saga, könnte man aus dem Titel schließen. Die erzählten Geschichten spielen sich jedoch hauptsächlich im Kopf der Hörenden ab, sind Mountain Caller doch eine (Fast-) Instrumentalband, bestehend aus Gitarre, Bass und Schlagzeug. „Riffs“ reicht dem Trio als Beschreibung ihres Sounds auf der Facebook-Seite. Die Plattenfirma jongliert mit ein paar Vergleichen á la Mogwai, Elder oder Sleep. Weites Feld, stimmt deswegen. Die dynamischen, ausladenden Stücke schmeißen das Kopfkino an, welches nicht zwangsläufig in die von den Künstlern gewünschte Richtung gehen muss, die durch die Titel der einzelnen Stücke vorzugeben versucht wird.

Ein Album, das mit jedem Durchlauf mehr zündet

Mountain Caller Chronicle 1: The Truthseeker Cover New Heavy Sounds

Im Interview mit dem Blatt „Come play with me“ führt Drummer Max  genauer aus, wohin die Reise geht: „Chronicle 1: The Truthseeker is the beginning of a feminist allegory, following an anonymous female protagonist on her journey of discovery: of her own power and agency, as well as the truth of the endless vast expanse of the universe“. Okay. Konzept ist also zweifellos da; doch was bleibt einem wie mir, dem trotz Titel wie „Journey Through The Twilight Desert“ oder „Trial By Combat“ jegliche Endzeitschwarte im Schädel verschlossen bleibt? Nun, es bleibt ein hervorragend eingespieltes Album, das zu keiner Sekunde langweilt und im Gegenteil bei jedem Durchlauf mehr zündet, so man denn eine Schwäche für Powertrios jenseits reduziertem Riffgeschrubbe hat.

Mountain Caller zwischen Shoegaze, Dreampop, Postrock und stampfenden Riffs

Das kommt zwar auch vor, doch noch so viel mehr: In knapp 40 Minuten geht die Reise von sphärischem Shoegaze über stapfende Riffs (bereits im Opener „Journey Through The Twilight Desert“), Dreampop sowie Postrock im folgenden „Feat At Half-Light City“, psychotischem Indie-Rock („I Remember Everything“) zu doomigem Brachialsound  mit proggiger Eskalation („A Clamour Of Limbs“). „Dreamspirals“ schließt das Album und vereint nochmal all die erwähnten Einflüsse ziemlich großartig.Dass ein vermehrter Einsatz der Stimme nicht zum Schaden des Bandsounds wäre, beweist das Ende von „A Clamour Of Limbs“, bei dem entweder Gitarristin Claire oder Bassistin El erst ins Mikro säuselt und dann auch vokal Gas gibt. Zwingend erforderlich ist ein solcher Einsatz augenscheinlich jedoch nicht.

Mit der Produktion von Joe Clayton (Pijn) und Masterung von Magnus Lindberg (Cult Of Luna) standen zwei Postrock-Koryphäen an den Reglern, um das Destillat aus jahrelangen Jams klanglich adäquat einzufangen. Mission gelungen, würde ich sagen, auch mit komplett anderem Kopfkino. Feines Album, freue mich auf einen zweiten Teil.

„Chronicle 1: The Truthseeker“ von Mountain Caller ist am 06.11.2020 bei New Heavy Sounds / Cargo Records erschienen. (Beitragsbild: Albumcover)

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