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9. September 2025Moscoman vereint auf „Caviar“ 80er-Vibes à la The Cure mit stimmigen Kollaborationen. Perfekt geeignet für alle, die gern ein bisschen lächeln und dabei gleichzeitig melancholisch ins Leere blicken.
von Mia Lada-Klein
Chen Moscovici, besser bekannt als Moscoman, ist kein Neuling in der Szene. DJ, Produzent, Labelbetreiber, kurz: ein Tausendsassa aus Tel Aviv, der seit Jahren zwischen elektronischem Clubsound und melancholischem Indie pendelt. Mit seinem neuen Album „Caviar“ wagt er den nächsten Schritt: eine Mischung aus Indie, Shoegaze und leichten Grunge-Anklängen, garniert mit jeder Menge Features.
Moscoman und „Caviar“ als bittersüßes Aushängeschild
Den Start macht der titelgebende Track „Caviar“. Klingt leichtfüßig, fast schon luftig, doch die Lyrics bieten mehr als nur das. Moscoman singt vom inneren Konflikt, der Flucht vor Nähe und der Sehnsucht nach Authentizität. Ein „happy-sad“-Sound, wie gemacht für alle, die gern gleichzeitig lächeln und wehmütig ins Nichts starren. Mit „Ride“ und der Unterstützung von Coma wird’s düsterer und nostalgischer. Plötzlich hört man The Cure durchschimmern und das inklusive 80er-Jahre-Schwere. Inhaltlich geht’s ums mentale Straucheln, ums Schwanken zwischen Ernst und Witz, ums Betäuben der eigenen Überforderung. Klingt nicht nur gut, sondern fühlt sich auch erschreckend nah an.
Zuckerloch mit Scudfm: „Low Blood Sugar“
„Low Blood Sugar“ (feat. Scudfm) bleibt dem Cure-Spirit treu, aber Moscoman legt noch eine Schippe Melancholie drauf. Zwischen Indie und Electro entsteht ein Song, der müde wirkt, aber das gewollt. Ein Soundtrack für Tage, an denen die Welt grau und der Blutzuckerspiegel gefährlich niedrig ist. Mit „In Stereo“ (feat. Tom Sanders) schimmert erstmals Pop durch. Sentimental bleibt es, doch der Song ist zugänglicher, fast radiotauglich. „Going There“ (feat. Justin Strauss) schlägt dann ein schnelleres, elektronischeres Tempo an, ein willkommener Energieschub nach all der Schwermut. Der Titel „Nevermind“ (feat. The Golden Dreggs) schreit förmlich nach Nirvana. Statt Grunge-Gitarren gibt’s aber wieder Cure-Referenzen und Electro-Flächen. Das ist zwar ein Erwartungsbruch, aber tatsächlich kein schlechter. Ganz im Gegenteil.
Moscoman: Finale mit Talee und Solo-Abschied
„Ends Well“ (feat. Talee) setzt noch einmal auf deutliche 80er-Synths, bevor Moscoman allein mit „Reflecting On You“ abtaucht. Ein Lied über Verlust, Orientierungslosigkeit und das Festhalten an Erinnerungen. Indie mit elektronischem Herzschlag, ganz hübsch, aber kein Gänsehautgarant. Das gesprochene Outro schließlich: Kann man machen, hätte man aber auch streichen können.
Wer „The Cure“ liebt, wird in „Caviar“ seine Zuflucht finden. Moscoman biegt die Melancholie in Richtung Electro, nimmt Indie-Anleihen mit, ohne sich komplett festzulegen. Das Ergebnis: ein gutes Album, kein Jahrhundertwerk, aber definitiv hörenswert.
Moscoman veröffentlicht „Caviar“ am 12. September 2025 via Disco Halal. (Beitragsbild: Pressefoto)





