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1. Mai 2026Musik, die kratzt und beißt: Das Debütalbum der Artrock-Band Modern Woman verfolgt eine kompromisslose künstlerische Vision
von Sven Weiss
Eins ist sicher bei Modern Woman, nämlich dass rein gar nichts sicher ist. Die Londoner Art-Rock-Band verfolgt auf ihrem Debütalbum eine kompromisslose künstlerische Vision, die herausfordert, weil sie sich konsequent weigert, dem Hörer bequeme Haltegriffe zu offerieren. Und die genau aufgrund ihrer Unberechenbarkeit so fasziniert. Dabei wirft die Band theatralischen Indie-Folk, rohe Punk-Attitude, schwebende Ambient-Parts und operettenhafte Passagen in einen buntlackierten Artrock-Topf. Heraus kommt eine Mischung, die zwar das Rad nicht gänzlich neu erfindet (Wer kann das heutzutage noch?), aber doch so eigenständig ist, dass es für jeden lohnt genauer hinzuhören, der in Zeiten des glattgebügelten Zweiharmonienpop nach Musik dürstet, die kratzt und beißt.
Patti Smith trifft Kate Bush: Artrock mit exaltiertem Gesang
Ganz klar im Fokus steht dabei der exaltierte Gesang von Frontfrau Sophie Harris, der in seiner Expressivität oft an Patti Smith erinnert, dann wieder an die entrückte Art-Pop-Theatralik einer Kate Bush. Harris kiekst und faucht, lässt ihre Stimme überschlagen und schraubt sich in beeindruckende Höhen. Die klangliche Basis dazu bilden flirrende Rhythmen, knarzende Gitarren und stakkatoartige Drum-Patterns, die sich immer wieder auflösen in offene, schwebende Passagen. Lärm und Schönheit scheinen hier in einem immerwährenden Kampf, und manchmal, in seltenen Momenten finden sie zusammen zu einem harmonischen Gleichklang.
Harris erklärt das so: „Ein zentrales Thema, das ich schon immer in ‚Modern Woman‘ haben wollte, ist die Idee des Gegensätzlichen – des Zarten und des Harten, des Lauten und des Leisen sowie des Ungeschliffenen und des Polierten. Der Spielstil jedes Einzelnen, der aus einem Schmelztiegel verschiedener Einflüsse schöpft, verschmilzt zu etwas Neuem.“ Harris erforscht die seltsame Poesie im Alltäglichen und zieht dazu ihre fragmentierten Gedankengänge hinzu, die sich auf Bruchstücke aus Film, Erinnerung und Fantasie stützen. Oder wie es die Künstlerin so herrlich formuliert: „Ich verbringe viel Zeit in meinem Kopf.“
Debütalbum von Modern Woman: Seit Jahren brodelt es im Untergrund
Modern Woman entstand aus einem intimen Songwriterprojekt von Sophie Harris. Doch erst als ausgewachsene Band war es möglich, die künstlerische Vision in ihrer ganzen Pracht zu entfalten. Erste Singles kamen bereits 2021 auf den Markt, Insider raunen sich seither zu, dass hier etwas Großes im Entstehen ist. Die Band tourte unaufhörlich, und feilte natürlich an ihren Songs. Die Arbeit hat sich gelohnt. Denn ihr Ziel, etwas Neuartiges zu erschaffen, haben Harris & Co. erreicht. Bleibt zu hoffen, dass möglichst viele Hörer dem aufgeschlossen sein werden.
„Johnny’s Dreamworld“ von Modern Woman erscheint am 01.05.2026 bei One Little Independent / Bertus. (Beitragsbild von Sal Redpath)





