Michael Moravek: November – Albumreview

Michael Moravek: November – Albumreview

Zehn Americana-Seemannslieder, inspiriert von dem Roman „Moby Dick“ und von Michael Moravek und Band perfekt in Szene gesetzt

Mal wieder hat ein literarisches Großwerk einen Songwriter zu einem Album inspiriert. Für Michael Moraveks neues Album „November“ stand Hermann Melvilles berühmter Roman „Moby Dick“ als Ideengeber Pate. Die zehn Songs hat Moravek für sein Bühnenstück „November In My Soul“ geschrieben, das er gemeinsam mit dem Schauspieler Bernd Wengert aufführt. „November“ folgt auf „In Transit (Is What We Are)“, dem 2017 erschienenen Solo-Debüt des in Ravensburg beheimateten Musikers.

Live im Theater Ravensburg aufgenommen

Michael Moravek November Cover Backseat

Der auch als Sänger der Indie-Band Planeausters auftretende Michael Moravek hat die Songs im Wesentlichen live im Theater Ravensburg unter der Leitung von Thomas Fuchs aufgenommen. Abgemischt wurde die Platte von Brian Leach im Joyride Studio, Chicago, wo Moravek bereits sein erstes Soloalbum aufgenommen hat. Ihm zur Seite standen dabei William Widmann (Schlagzeug), William Bruce Kollmar (Akustikbass), Ayu Requena Fuentes (Klavier, Orgel, Trompete) und Michael Huber (Posaune, Tuba) sowie Herbert Walser-Breuß (Trompete) und Andrea Fuchs (Gesang). Dem Americana-Genre kann man ruhigen Gewissens alle Songs zurechnen. Moravek stellt sein Werk breit gefächert auf. Ob nun Bob Dylan, Neil Young, Tom Waits, Robbie Robertson oder auch Lou Reed: So wie Melville als inhaltliche Inspirationsquelle diente, lassen sich die Arrangements in der amerikanischen Songtradition verorten.

Ein wunderbares Album von Michael Moravek

Das  macht dann einerseits mächtig Laune im pittoresken wie ausgelassenen Indie-Folk-Country-Rock’n’Roll von „Flooded In The Flood“, und stimmt einen wehmütig im direkt folgenden Seemannslied „If I Were The Ocean“. Als Seemannslieder bezeichnet Michael Moravek alle auf „November“ enthaltenen Tracks, eine naheliegende Beschreibung, wenn man sich von „Moby Dick“ leitet lässt. Musikalisch allerdings nicht immer so eindeutig wie bei „If I Were The Ocean“. Mit dem schönsten Song des Albums, „Lights Of My Only Home“, endet „November“. Eine melancholische, aber optimistische und  majestätisch dahingleitende, von Heimweh angetriebene Ballade. Zehn wahrlich vortreffliche Songs, von denen das rumpelnde, von einem jazzigen Piano angefeuerte „Wicked Waves Of The Sins Of Man“, das elegant-traurige, mit einer geschmeidigen Harp verzierte „Alone With Everyone“, das im Up-Tempo gehaltene „Lost At Sea“ sowie das ergreifende „November In My Soul“ ebenfalls herausragen. Ein wunderbares Album.

„November“ von Michael Moravek erscheint am 21.02.2020 bei Backseat / Soulfood. (Beitragsbild: Albumcover)  

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.