Michael Köhlmeier: Matou

Michael Köhlmeier: Matou

Der Kater Matou erobert die Literatur-Welt und sein Schöpfer Michael Köhlmeier schreibt eins der besten Bücher des Jahres

Ein Genie, dieser Matou. Besser natürlich: „Monsieur Matou“, wie der erzählende Kater in Michael Köhlmeiers neuem Roman am liebsten genannt werden möchte. Matou kann lesen, schreiben und sprechen und befindet sich in seinem nunmehr siebten und letzten Leben. Das verbringt er im 19. Wiener Gemeindebezirk bei „Dame Ingeborg Novak“ und deren Philosophie studierenden Neffen Daniel. In seinem Büro schreibt er die Abenteuer seiner sieben Leben nieder. Und weil ihn sein Erfinder Michael Köhlmeier als eine Art Homer der Katzenwelt in Szene setzt, breitet Matou seine Memoiren auf die epische Länge von gut 960 Seiten aus. Er hat aber auch viel zu erzählen, der wissbegierige, gelehrte, philosophierende, stolze, eitle und manchmal auch hochmütige Matou.

Matous sieben Leben in 230 Jahren

Michael Köhlmeier Matou Cover Hanser Verlag

Sein erstes, relativ kurzes Leben verbringt der 1792 in Paris geborene Kater bei der Familie des Revolutionärs Camille Desmoulins und fällt, den frühen Revolutionären ähnlich, dem Schafott zum Opfer. Im Katzen-Jenseits, genannt „das Weggemachte“, können Katzen Wünsche für das nächste Leben äußern. Um das Schreiben und Lesen zu erlernen, begibt sich Matou unter die Fittiche von E.T.A. Hoffmann, der  in seinem neuen Gesellen das ideale Vorbild für die „Lebensansichten des Katers Mur“ findet. Die weiteren Leben verbringt er auf der Katzeninsel Hydra, als Leopard im belgisch besetzten Kongo, in Franz Kafkas Prag sowie in der Factory von Andy Warhol. Als Rahmenhandlung dient sein jetziges Leben in Wien.

Es ist wunderprächtiges Vergnügen, Köhlmeiers, pardon, Matous Ausführungen selbst auf der Roman-Langstrecke zu folgen. Beim Lesen seiner beschriebenen Sitzung der Serapionsbrüder, der u.a. E.T.A. Hoffmann, Adelbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff und Ludwig Tieck beiwohnten, geht jedem Literaturfreund das Herz auf und nicht minder vortrefflich Matous Diskussion mit Susan Sontag und Noam Chomsky.

Ein literarischer Coup von Michael Köhlmeier

Manchmal verfällt Matou seiner intellektuellen Großmannssucht, doch bleibt der der Aufklärung verpflichtete Kater eben auch immer ein Tier und vermisst nach zu langen Schreibphasen das Jagen und Töten. Obwohl er also dem vom Menschen gemachten Schönen, der Sprache, der Musik, der Literatur, der Philosophie, Gefallen findet, möchte Matou doch lieber kein Mensch, sondern nur wie ein Mensch sein. Seine Lebenslust fabuliert er indes auf überbordende und ansteckende Weise. Mit seinem fabelhaften neuen Roman gelingt Michael Köhlmeier ein literarischer Coup und mit dem Helden Matou hat er einen Protagonisten mit potentiellem Kultcharakter erschaffen. Und eins der besten Bücher des Jahres geschrieben.

Michael Köhlmeier: „Matou“, Hanser, Hardcover, 960 Seiten, 978-3-446-27079-4, 34 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)

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