Micha Schlüter: Nichtschwimmer – Album Review

Micha Schlüter: Nichtschwimmer – Album Review

Eine melancholische, teils ironische und sehr tröstliche Songwriterplatte von Micha Schlüter

von Gérard Otremba

Micha Schlüter ist ein in Stuttgart ansässiger Liedermacher, der mit Nichtschwimmer sein zweites Album nach dem 2012 erschienenen .108 vorlegt. Der studierte Gitarrist überzeugt auf Nichtschwimmer mit einer Mischung aus klassischem Songwriting, Folk, Pop, Jazz, Chanson und Gypsyklängen. Micha Schlüter präsentiert auf Nichtschwimmer zwölf liebevoll arrangierte Songs und im lässigen Jazz-Pop von „Ich weiß es nicht“ textet er die Zeilen „Ich verzichte auf den perfekt glänzenden Schein, es ist in Ordnung mittelmäßig zu sein“. Doch von Mittelmaß kann hier keine Rede sein, ganz im Gegenteil beweist Schlüter auf seinem Zweitwerk die hohe Kunst intelligenter Musik. Der durchaus üppig arrangierte Eröffnungssong „Nacht des Kairos“, in voller Bandbegleitung samt Violine und Trompete, evoziert, genauso wie „Die Erinnerung reicht aus (Esthers Walzer)“ an Element Of Crime und deren 1994 veröffentlichtes Album An einem Sonntag im April und hinterlässt eine hanseatisch-wehmütige (Schunkel)-Stimmung.

Das instrumental reduzierte, mit einem Banjo verzierte „Schön eigentlich“ bedient, ähnlich wie „Komm zurück“, die Fans deutscher Liedermacher wie Reinhard Mey, bevor „Zeitraffer-Bilder“, ein intimes und bewegendes Duett mit Sandra Fromme, den Hörer mit seiner schwermütigen Schönheit zu Tränen rührt. Durch und durch melancholisch, an Niels Frevert und, nicht nur wegen des Zitats, Bob Dylan erinnernd, das überragende „Ich lebe noch“. Übrigens heißt der knuffige Teddybär auf dem CD-Cover „Bob“, was allerdings reiner Zufall ist. Das mit feiner Ironie ausgestattete „Mein Wellnessurlaub im Neurosengarten“, wo Akkordeon und Melodika zum Blues-Tanz bitten, hat den Element-Of-Crime-meets-Jazz-Twang und „Einen Parkplatz, das Glück oder ich“, wieder am Gesang von Sandra Fromme begleitet, gehört zu den berührenden Liedern dieser Platte. Sehnsucht, Melancholie und Schwermut durchdringen das Album, wie das von Violine und Glockenspiel geprägte „Treibholz“, oder das von Trompete und Violine veredelte „Fremde Stadt“ aufs Schönste zeigen. Mit dem mild ironischen „Sophia & Klaus“ endet Nichtschwimmer, ein Album voller Poesie, ein zukünftiger treuer und tröstlicher Begleiter mithin.

„Nichtschwimmer“ von Micha Schlüter erscheint am 19.09.2014 bei Timezone Records.

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