Die Essenz eines Lebenswerks: Meredith Monk und ihr Vokalensemble vertonen in diesen neuen Songs reine Interaktion und Emergenz
von Sebastian Meißner
Zellen sind basale Bausteine des Lebens – sie reproduzieren sich, mutieren, kommunizieren und bilden so ein Netzwerk unendlicher Kooperation. Für Meredith Monk ist diese biologische Realität zugleich künstlerisches Prinzip. In ihrem Album „Cellular Songs“ entfaltet sie eine vokalmusikalische Topografie, die genau dieses Prinzip der Interaktion und Emergenz hörbar macht. Gemeinsam mit ihren langjährigen musikalischen Partner Allison Sniffin (Vibraphon, Percussion) und John Hollenbeck (Piano, Violine) – beide als kongeniale Kooperationspartner in Monk’s Vokallabor zu begreifen – entwickelt Monk eine Klangarchitektur, die die Grenze zwischen Stimme, Bewegung und
Klangraum auflöst.
Vokale Zellteilung
Bereits in den ersten Minuten des Albums wird deutlich, dass Meredith Monk die Stimme als lebendigen Organismus behandelt: Jede Phrase teilt sich, wächst, vervielfacht sich und bildet neue Muster. Aus einem anfänglichen Keimlaut erwächst ein vokales Gewebe, in dem Schichten aus Atem, Silben und Vokalisen sich ineinander verschränken. In „Branchen“ oder „Melt“ wird die Stimme zu einer Art vokaler Membran, die den Klangraum zugleich durchlässig und strukturiert h…
