Melody’s Echo Chamber: Bon Voyage – Album Review

Melody’s Echo Chamber: Bon Voyage – Album Review

Eine meisterliche Psychedelic-Pop-Herausforderung

Melody Prochet, die Frau hinter Melody’s Echo Chamber, hat sich lange Zeit gelassen für ihr neues Album. Geschlagene sechs Jahre sind seit ihrem selbstbetitelten Debüt vergangen und nun erlöst sie die Fangemeinde mit dem Wunderwerk Bon Voyage. Bon Voyage ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Frederik Swahn von The Amazing und Reine Fisk von Dungen, der schwedischen Neo-Psychedelic-Prog-Rock-Band, die Melody Prochet 2015 während eines Festivals in Angers kennenlernte. Wie es sich herausstellt, scheinen die Kollegen Brüder im Geiste zu sein, eine fruchtbarere Kooperation hätte sich Prochet kaum aussuchen können.

Melody's Echo Chamber Bon Voyage Albumcover Domino RecordsBon Voyage ist ein kosmischer, ein magischer Trip. Das Album enthält zwar lediglich sieben Tracks, die aber sind allesamt nicht mehr und nicht weniger als ein kaum zu überbietendes Psychedelic-Pop-Rock-Feuerwerk. Eine Mischung aus Love und Fairport Convention, samt einigen Modernismen, die bereits im ersten, siebenminütigen Song „Cross my Heart“ zum Einsatz kommen. Ganz im Sixties-Feeling beginnend, die filigrane Pop-Melodie sowie Melody Prochets zauberhaften, fast verhuschten Gesang in den Vordergrund stellend, erlebt der Track nach 90 Sekunden den ersten Break, Dub-Einflüsse, Flöten, Beats, der Wechsel zu französischen Lyrics machen den Track plötzlich zu einem multikulturellen Weltpop-Amalgam, bevor er mit Barock-Pop und Psychedelic-Gitarren wieder in den Sixties ausklingt.

In entfernte Welten schwebt das bei Sounds & Books bereits als Song des Tages vorgestellte „Breath In, Breath Out“, ein retrofuturistischer, melodielastiger, filigraner Psychedelic-Pop, dem Indie-Dream-Pop nicht minder huldigend. Mitten im Art-Pop findet sich „Desert Horse“ wieder, hier machen es Melody’s Echo Chamber den Hörern mit einer Vielzahl von Einflüssen von French-Pop bis hin zu arabischen Klängen, Rhythmuswechsel hin zum Prog-Rock zugegebenermaßen nicht einfach. Umso angenehmer fallen die 90 Sekunden des Folk-Songs „Var Har Du Vart“ als Gegenpol aus.

Als überragendes Stück von Bon Voyage entpuppt sich indes „Quand Les Larmes D’un Ange Font Danser La Neige“. Melancholischer Psychedelic-Folk-Pop-Space-Rock, getragen von Prochets zauberhaft-entrückten Vocals, die im nachfolgenden „Visions Of Someone Special, On A Wall Of Reflections“ ähnlich präsent sind. Ein Song, der den Weg des Art-Pop in (alte) neue Dimensionen weist. Mit dem groovigen, fuzzy und funky „Shirim“ nimmt das Album dann viel zu früh sein Ende. Mit Bon Voyage werden Melody’s Echo Chamber sicherlich keine hohen Chartplatzierungen erreichen, erobern aber die Herzen all derjenigen, die noch Herausforderungen im Pop suchen. Ein meisterliches Album, das in keiner Jahresendliste fehlen sollte.

„Bon Voyage“ von Melody’s Echo Chamber ist am 15.06.2018 bei Domino Records erschienen (Beitragsbild: Melody’s Echo Chamber by Diane Sagnier).

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