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27. September 2023Gegenwartsmusik der „Lieblingsspanierinnen“, um mal Bezug zu nehmen auf die Kritik zum Vorgängeralbum der Melenas
von Michael Thieme
Die findet man hier, der Schreiber dieser und jener Zeilen war damals schockverliebt in „Dias Raros“, den Zweitling des Quartetts aus Pamplona. Die Begeisterung für dieses Werk kühlte in der Zwischenzeit nicht ab, auch diesen Sommer lief es hin und wieder (ja, es ist ein Sommeralbum, im Winter gibt’s eher Black Metal). Nun folgt Album Nummer drei; von „schockverliebt“ kann keine Rede sein beim neuen Werk „Ahora“. Nun denn: Wir wissen ja wie es ist mit dem Verknalltsein, oft bleibt da wenig übrig am End‘. Stetig wachsendes Interesse sowie eine immer tiefer gehende Sympathie dagegen weisen eher auf eine
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lebenslange Beziehung hin.
Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft
Vielleicht ist es noch zu früh nach sechs oder sieben Durchläufen Humphrey Bogart in „Casablanca“ zu zitieren, aber, Louis: Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Schon der Opener „Ahora“, in dem die Vintage-Orgel den Weg weist in das folgende Werk, stellt nachhaltig bereits Gemochtes vom Vorgängeralbum in den Schatten. Was geschieht hier: Bricht sich eine neue Ernsthaftigkeit Bahn, sind die Kaugummiblasen alle geplatzt? Es ist eine Schande, dass ich damals im VHS-Spanisch-Kurs so uninspiriert war – wenn ich schon peinlicherweise auf den Kanaren mit meinem rudimentären Gastro-Spanisch zufrieden war, so zeigt sich spätestens jetzt, dass es durchaus von Vorteil wäre, die Texte von „Flor de la Frontera“ oder dem Rest zu verstehen.
Retrosound im Hier und Jetzt, kein Widerspruch bei Melenas
Bleiben wir also notgedrungen beim Sound: der tönt im Vergleich zum Vorgänger nicht nur reifer, sondern ebenso satter – diverse Tasteninstrumente mit ordentlich Patina werden eingesetzt; die Gitarre dominiert kaum – eher noch der Bass – was einigen Stücke wie z.B. „1986“ einen leichten Post-Punk-Touch verleiht. Ohne Punk-Aggressivität. Der Gesang klingt wie immer geschmeidig wie unaufgeregt. Noch immer sind Melenas im Sommer gut hörbar, allerdings, wette ich, macht das im melancholischeren Herbst genau so viel Freude. Oder immer im Hier und „Jetzt“, wie der Titel suggeriert. In „Dos Pasajeros“ klingt die Orgel sakral, in „Flor de la Frontera“ als hätte Del Shannon gerne Darkwave gespielt. Rockmusik zur Zeit, gespielt auf Retro-Instrumentarium sowie ohne vorexerzierte Eskalation. Diese Mischung fasziniert auch Menschen außerhalb des Heimatlandes, die amerikanische Plattenfirma weiß das. Fehlt nur noch, dass Melenas endlich mal hierher auf Tour kommen. Ahora.
„Ahora“ von Melenas erscheint am 29.09.2023 bei Trouble In Mind / Cargo Records. (Beitragsbild: Albumcover)





