Mélanie Pain: How And Why

Mélanie Pain Credit Simon Vanrie

Mélanie Pain muss seit 20 Jahren mit French-Pop-Klischees leben. Das hält die Nouvelle-Vague-Sängerin aber nun nicht von einem feinen Folkpop-Soloalbum ab.

von Werner Herpell

Typisch französisch – so möchte man die Stimme von Mélanie Pain spontan charakterisieren. Also hell, federleicht, charmant, ein bisschen sinnlich (aber bitte nicht: lolitahaft) – und was es sonst noch so an Musikjournalisten-Floskeln gibt für einen Gesang, der, um es mit dem Werbespruch für einen bekannten Schokoriegel zu sagen, sogar in Milch schwimmt. Die in der Normandie-Küstenstadt Caen geborene Musikerin hat den unangestrengt-relaxten Tonfall auch in ihren Solosongs zur Kunstform erhoben.

Schon seit gut 15 Jahren solo unterwegs

Mélanie Pain How And Why Albumcover

Seit gut 15 Jahren bereits ist Mélanie Pain unter eigenem Namen (das erste Album hieß folgerichtig „My Name“) und mit eigenen Liedern unterwegs. Zunächst war sie seit Mitte der Nuller-Dekade mit dem französischen Electropop-Cover-Projekt Nouvelle Vague erfolgreich gewesen, das gar nicht mal unoriginell Eighties-Klassiker im Bossa-Nova-, Easy-Listening- und French-Pop-Stil präsentierte. Nun veröffentlicht die Künstlerin mit „How And Why“ bereits ihr viertes Soloalbum. Und es ist natürlich wieder hell, federleicht, charmant, ein bisschen sinnlich – ach, lassen wir das. 

Mélanie Pain macht, das kann man immerhin phrasenfrei sagen, den grauen Spätherbst und beginnenden Winter mit zarten Gitarren- und Folkpop-Stücken wie „Bluer Than Blue“, „Dreamloop“, „The Bare Truth Of Me“ oder „Same“ ein bisschen bunter und schöner. Dass französische Sängerinnen – erinnert sei an Françoiz Breut und Keren Ann – auch in US-amerikanischen Folkrock-Kreisen beliebt und anerkannt sind, beweist hier das gelungene Duett „Cold Hands“ von Mélanie Pain mit dem Singer-Songwriter und Gitarristen Brian Lopez (Calexico, Xixa, Giant Sand) aus Tucson/Arizona.

Purer Folk – und ein Lied auf Türkisch

Akustische Gitarren und dezente Vocals stehen im Mittelpunkt der zehn Lieder, von denen Pain neun auf Englisch singt und eines – nein, nicht auf Französisch, sondern auf Türkisch (das Cover-Stück „Senden Daha Güzel“). Es ist ein aufs Wesentliche reduziertes Songwriter-Pop-Album, nach Auskunft ihres Labels „inspiriert von Künstlern und Künstlerinnen wie Iron & Wine, Kings Of Convenience und Emiliana Torrini“, aber auch von Beirut und Sufjan Stevens (kommt alles hin).

„Ich wollte mich wieder mit dem verbinden, was ich als Erstes geliebt habe: purer Folk, klare Melodien, nur begleitet von Gitarre und Stimme“, so die seit den frühen Nouvelle-Vague-Zeiten hörbar gereifte Musikerin. Zu ihrer Version von „Senden Daha Güzel“, im Original von der türkischen Band Duman, sagt Mélanie Pain: „Der Song erinnert mich an die Grungemusik meiner Jugend – Nirvana, Pearl Jam… Ich wollte ihn auf meine eigene Weise interpretieren, mit Zartheit und Lyrik. Auf Türkisch zu singen war eine echte Herausforderung, aber der Rhythmus der Sprache faszinierte mich. Ich mochte es so sehr, dass ich schon an weiteren türkischen Coverversionen arbeite.“

Mélanie Pain wärmt den Februar mit Live-Songs

Man darf also von dieser feinen Musikerin jenseits aller French-Pop-Klischees noch einiges – und wohl auch Unerwartetes – erwarten. Den kalten Februar wird sie demnächst mit Live-Solosongs ebenfalls etwas anwärmen – bei Konzerten am 17.02.2026 in Hamburg (Nochtspeicher), am 18.02.2026 in Berlin (Quasimodo), am 19.02.2026 in München (Ampere) und am 21.02.2026 in Köln (Jaki).

Das Album „How And Why“ von Mélanie Pain erscheint am 28.11.2025 bei Capitane Records. (Beitragsbild von Simon Vanrie)

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