Mazzy Star: Seasons Of Your Day

Mazzy Star: Seasons Of Your Day

Die Pioniere des Dream-Folk-Pop sind zurück: Wunderschöne, entrückte Romantik mit Hope Sandoval

von Gérard Otremba

Es war ein unaufgeregtes Comeback von Mazzy Star. Nach geschlagenen siebzehn Jahren veröffentlichte die kalifornische Band wieder einen Longplayer. Sicher, es gab zwischenzeitlich mit Bavarian Fruit Bread und Through The Devil Softly zwei schöne Soloplatten von Sängerin Hope Sandoval, wenig genug, eine Blaupause mithin. Zwischen 1990 und 1996, just also, als die ganze Musikwelt fast nur noch nach Seattle schaute und vom Grunge und Crossover in Beschlag genommen wurde, erspielten sich Mazzy Star einige Kilometer südlich in Los Angeles mit drei Alben Kultstatus. Die Werke She Hangs Brightly und So Tonight That I Might See kultivierten einen Dream-Folk-Pop, der sich aus dem Blues speiste, psychedelische Einflüsse nicht verbarg und letztlich in Among My Swan in seiner Vollendung präsentierte. Die ganze Schönheit in Moll hatte in Mazzy Star den adäquaten Interpreten gefunden. Den von Dave Roback komponierten Liedern lagen langsame, sphärische Klänge sowie flirrende Gitarren zu Grunde, eine zutiefst traurige Stimme von Hope Sandoval trug ihre verträumt-sinisteren Texte in die unendlichen Tiefen der Romantik. Ein wahrlich famoses Album. Als Schnittstelle seiner drei Vorgänger erweist sich Seasons Of Your Day. Mazzy Star können beide Arten von Musik, zarte und sanfte.

„In The Kingdom“ beginnt mit einer feierlichen Orgel, die Gitarre verliert sich im Kosmos, die Drums schlurfen bedächtig hinterher und die gehauchte Flüsterstimme von Hope Sandoval schwebt über uns hinweg. Genauso berührend geht es mit dem auf die akustische Gitarre und Percussion basierenden „California“ weiter, bevor bei „I’ve Got To Stop“ die Zeit stehen bleibt und Sandovals entrückte Vocals den verführerischsten Sirenengesang anstimmen, alles ist im Fluss, pure Magie. Den Blues finden Mazzy Star für „Does Someone Have Your Baby Now?“ wieder, ein Blues, der auf Percussion, die akustische und die Slide-Gitarre reduziert wird, die bei „Sparrow“ für die nötige Romantik sorgt und bei „Spoon“ für den Country-Blues zuständig ist. Das Gitarren- und Harpspiel evoziert in „Common Burn“ eine traurige Wüsten-Lagerfeuer-Einsamkeit, während „Lay Myself Down“ für Mazzy Star-Verhältnisse geradezu rock’n’rollig  anmutet und mit der Steel Pedal den Country-Rock bedient. Der Titeltrack „Seasons Of The Day“ wiederum ganz sanft, dunkel und anrührend, das abschließende „Flying Low“ versinkt in einem dramatischen Blues-Noir. Alles wunderbare Songs, die schon länger existierten, schade, dass die Veröffentlichung auf Platte bis 2013 warten musste.

„Seasons Of Your Day“ von Mazzy Star ist am 27.09.2013 bei Rhymes Of An Hour Records / Rough Trade erschienen.

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