Maximo Park: Too Much Information – Album Review

Maximo Park: Too Much Information – Album Review

Das neue Album von Maximo Park oszilliert wunderbar zwischen New Wave und hymnischen Gitarren-Pop

von Gérard Otremba

Im Jahr 2002 brachten The Libertines mit ihrem Debütalbum Up The Bracket ordentlich Wind in den englischen Rock’n’Roll. Die Band um Pete Doherty und Carl Barât zeigte den arrivierten Brit-Pop-Formationen Oasis, Blur und Pulp wie man Indie-Rock, Postpunk und Pop kombiniert und setzte eine neue britische Rockwelle in Gang, die zwei drei Jahre später mit Franz Ferdinand, den Arctic Monkeys, Art Brut und Maximo Park weitere Highlights am Start hatte. A Certain Trigger, die erste Platte von Maximo Park überzeugte durch eine Vielzahl an schmissigen Uptempo-Songs, die Sänger Paul Smith mit originellen und witzigen Texten versah. Mit den nachfolgenden Alben Our Earthly Pleasures, Quicken The Heart und The National Health  verschwand nach und nach der rotzige Ton der ersten Scheibe und machte einem am New Wave orientierten Sound Platz. Das Keyboard erhielt mehr Raum zur Entfaltung, die Songs kunstvoller arrangiert, ohne den nötigen Drive zu vernachlässigen. Ganz ähnlich strukturiert ist das fünfte Studioalbum Too Much Information. Mit einem Synthie-Intro geht es bei „Give, Get, Take“ los, bevor sich Schlagzeug, Gitarre, Bass und Vocals in eine dynamische Indie-Pop-Hymne werfen. Blondie mit Paul Smith am Mikro.

Zum vom Synthie dominierten Electro-Pop mutieren dann aber endgültig die nachfolgenden Songs „Brain Cells“ und „Leave This Island“. Definitiv mehr New Order als The Undertones. Seine Liebe zur Literatur verankert Smith im wunderhübschen Gitarren-Pop von „Lydia, The Ink Will Never Dry“, der der amerikanischen Schriftstellerin Lydia Davis huldigt, sowie im Zwei-Minuten-Postpunk „Her Name Was Audre“, der die New Yorker Dichterin und Bibliothekarin Audre Lorde würdigt. Der schönste Song des Albums gelingt Maximo Park mit „My Bloody Mind“, ein herrlicher, melodiöser, aber treibender Beat-Pop, ausgelassen und zugleich intim, willkommen in den Sixties. Euphorie und Melancholie verbünden sich gar prächtig im hymnischen Gitarren-Pop-Rock von „Drinking Martinis“, ein weiteres Highlight auf Too Much Information. Als himmlisch, hymnisch und opulent erweist sich auch „Midnight On The Hill“, während sich „I Recognise The Light“, diesmal gilt der literarische Verweis dem chilenischen Autor Roberto Bolano, fiebrig und nervös durch knapp mehr als zwei Minuten rüttelt und schüttelt. „Is It True“ beleiht den New Wave von Joy Division und das abschließende „Where We’re Going“ gerät gar wunderbar wehmütig. Too Much Information ist die wohl abwechslungsreichste Platte von Maximo Park.

„Too Much Information“ von Maximo Park ist am 31.01.2013 bei Universal erschienen.

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