Maximilian Hecker live in Hamburg – Konzertreview

Maximilian Hecker live in Hamburg – Konzertreview

Entrückte Melancholie, mit witzigen Anekdoten aufgelockert

Text und Fotos von Gérard Otremba

Nein, ein Freddie Mercury ist Maximilian Hecker gewiss nicht. Dessen Bühnengehabe müsse er sich noch aneignen, weshalb er sich an der Mannheimer Pop-Akademie engeschrieben habe, sagt der Berliner Songwriter während seines Auftritts im Hamburger Nochtspeicher am 30.01.2015. Eine kurze Mercury-Gedächtnispose reicht dann auch, zu viel überbordende Action hat Hecker nun gar nicht nötig. „Später am Abend, wenn ich etwas lockerer bin, tanze ich auch“ kündigt er zwar an, doch bleibt der vorgeführte, von seinem Vater an ihn weiteregereichte, in der 70er Jahren populäre Tanzmove eine von mehreren Schoten zur Unterhaltung der Fans. Mit nonchalanter Bühnenzurückhaltung führt der 37-jährige Musiker durch sein Programm, zeigt auf der Leinwand einige seiner auf Reisen entstandenen Kurzfilme, wirft dem Publikum kurze Anekdoten und subtil-witzige Bonmots zu, die für Heiterkeit unter den Gästen sorgen. Ein klein wenig Entertainment bietet Hecker also bei seinem Gig, wohl austariert und als willkommene Abwechslung zu seinen überaus melancholischen Piano- und Gitarren-Songs. Zum „Otto Waalkes von Deutschland“, wie sich Hecker an diesem Abend selbst tituliert, reicht das natürlich nicht, zeigt jedoch seinen gekonnten Spagat zwischen humoristischen Einlagen und ernsthaften Musizierens.

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Dazu trägt auch die kurze Lesung aus seiner Autobiographie The Rise and Fall of Maximilian Hecker bei. Das vorgetragene Kapitel sprüht vor ironischen Einfällen und läßt die komödiantische Seite Heckers aufblühen. Doch kaum schüttelt man den letzten Lacher ab, sitzt Hecker schon wieder am Piano und entführt uns in die entrückte Welt seiner neuen Platte Spellbound Scenes Of My Cure, deren Songs im Mittelpunkt des Konzertes stehen. Lieder, die Maximilian Hecker mit bestimmten Orten seines Lebens verbindet, wie „Gangnam Misery“ mit Seoul, „To Liu Wen, The Opposite House, 3A.M.“ mit Peking, „Love Hotel Hill“ mit Tokio, „Battery Park“ mit New York“, „Untouchable“ mit dem kleinen, am Kopenhagener Flughafen gelegenen Nest Kastrup und „Hennigsdorf“ an eben jenes Dorf in der Näher Berlins. Während Hecker seine ätherischen, leisen, intimen und introvertierten Impressionen intoniert, bleibt es im Nochtspeicher mucksmäuschenstill, jedes außermusikalische Geräusch wird als störend und befremdlich wahrgenommen. Im kleinen Zugabenteil singt Maximilian Hecker gar noch den „Mr. Tambourine Man“ von Bob Dylan, was nachfolgend zu kleinen Stimmaussetzern führt. „Zu viel Bob“, sagt Hecker, schafft es dann aber doch noch „I’ll Be A Virgin, I’ll Be A Mountain“ fertig zu singen und verschwindet zum Merchandising-Stand.

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Kommentare

  • Höre ihn gerade erstmals, nachdem Dein Bericht mich neugierig gemacht hat. Sehr schön. Zu spät aber für den Frankfurt-Gig, der ist leider rum. Nächstes Mal.

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