Martha Grimes: All die schönen Toten

Martha Grimes: All die schönen Toten

Ein neuer Inspektor Jury-Krimi

von Gérard Otremba

Eine der längsten etablierten Krimireihen geht in die nächste Runde. Seit 1981 schickt die amerikanische Schriftstellerin Martha Grimes ihren Inspektor Jury auf die Mörderjagd und legt mit „All die schönen Toten“ den nun mittlerweile 22. Fall in diesem klassisch „englischen“ Zyklus vor. Obwohl also Amerikanerin, spielen ihre Krimis in England und der Protagonist ihrer Bücher, Inspektor Richard Jury, bekleidet selbstredend längst den Posten eines Superintendent bei der Metropolitan Police in London, sprich Scotland Yard.

Drei ermordete junge Frauen in Designerkleidung

In Chesham, einem kleinen Ort in der Nähe Londons, wird eine junge Frau ermordet, deren Identifizierung die örtliche Polizeibehörde vor bislang unlösbare Rätsel stellt. Auffällig an der vor dem Dorfpub erschossenen Unbekannten sind lediglich die teuren Designerkleider. Und kaum ist die Identität der Leiche doch geklärt, ereignen sich London noch zwei weitere Morde an jungen Frauen mit den signifikanten Merkmalen des exquisiten Modegeschmacks der Toten. Die einzige Verbindung zwischen den Opfern, die Inspektor Jury und sein Sargent Wiggins herausfinden können, ist deren einträchtiger Nebenverdienst als Begleitperson verschiedener Escort-Services. Und obwohl Richard Jury privat schwer angeschlagen ist, schließlich liegt seine Kollegin Lu Aguilar, mit der er im letzten Fall „Inspektor Jury lässt die Puppen tanzen“ eine heftige Affäre hatte, nach einem Verkehrsunfall schwer verletzt im Krankenhaus und er aber eigentlich schon seit längerer Zeit seine aparte Gerichtsmedizinerin Nancy Phyllis umgarnt, ein doppeltes Dilemma sozusagen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich wieder in die mühseligen Ermittlungsarbeiten zu stürzen.

Inspektor Jury und die Schatten der Vergangenheit

Wie üblich hilft ihm neben dem liebenswerten und passionierten Teetrinker Wiggins auch wieder sein alter Freund Melrose Plant, der vermögender Landadlige, der seine Titel freiwillig abgegeben hat, bei der Suche nach dem Mörder. Die Schatten der Vergangenheit verfolgen Inspektor Jury auch bei „All die schönen Toten“. Fast schon wie ein running gag anmutend baut Martha Grimes mal wieder einen gewissen Harry Johnson, den nicht überführten Mörder und Kindesentführer aus „Inspektor Jury kommt auf den Hund“ in die Geschichte ein. Hatte er bei den Frauenmorden am Ende doch seine Finger im Spiel und wird endlich überführt? Und was hat es nur mit diesen Designerschuhen von Jimmy Choo und Manolo Blahnik an sich?

Martha Grimes als Nachfolgerin von Agatha Christie

Inspektor Jury-Krimis von Martha Grimes zu lesen ist wie alte Freunde besuchen. Man kennt sich, es ist Gewohnheit, Routine und macht trotzdem immer wieder Spaß. Und so freut man sich auf die in regelmäßigen Abständen erscheinenden neuen Kriminalromane von Martha Grimes, die, wie meistens, ohne große Action auskommt und auf bodenständige Polizeiarbeit setzt, ohne die leichte Ironie zu vernachlässigen. Nun wird Martha Grimes dieses Jahr auch schon 80 Jahre alt und es bleibt zu hoffen, daß es der durchaus legitimen Nachfolgerin von Agatha Christie und P.D. James gelingt, noch den ein oder anderen Inspektor Jury-Roman auf den Buchmarkt unterzubringen. Das Warten auf den nächsten Fall lohnt sich allemal.

Martha Grimes, „All die schönen Toten“, Goldmann Verlag, Hardcover, 384 Seiten, 19,99 €

Kommentar schreiben