Marius Müller-Westernhagen live in Hamburg 2024

Marius Müller-Westernhagen live Hamburg 2024 Barclays Arena by Gérard Otremba Sounds & Books

Er war wieder hier, in seinem Revier: 11 000 Fans bejubeln am 17.05.2024 das ausverkaufte „Heimspiel“ von Marius Müller-Westernhagen in der Hamburger Barclays Arena

Text und Fotos von Gérard Otremba

Als um 20.15 Uhr der Vorhang nach oben ging und Marius Müller-Westernhagen das Konzert in der Hamburger Barclays Arena mit „Alphatier“ begann, war es schnell vorbei mit der Sitzplatzherrlichkeit. Nur die wenigsten der 11 000 Besucher hielt es in der bestuhlten und ausverkauften Halle auf ihren Sitzen. „Ihr“ Marius Müller-Westernhagen war wieder in Hamburg. 35 Jahre lang wohnte der Musiker in Hamburg und erinnerte sich in an einer Ansage an Auftritte im Onkel Pö und der Markthalle. Lange ist es her, noch vor seinem endgültigen Durchbruch zum Superstar der deutschen Rockszene. Später, zur Zeiten seines kommerziellen Höhepunkts bespielte Marius Müller-Westernhagen im Stil eines Bruce Springsteen und der Rolling Stones dann sogar die großen Fußball-Stadien dieses Landes.

Die Tour zum 75. Geburtstag

Damals, Mitte der 90er-Jahre, war der 1948 in Düsseldorf geborene Songwriter die unumstrittene Nummer 1 der hiesigen Musiklandschaft. Und wer ein Konzert der „Affentour“ 1995 erlebt hat, kann nur sagen: Es war geil. Aber der Erfolg kostete bei Müller-Westernhagen seinen Preis. Als ihm Abertausende Fans zu Füßen lagen und seine Platten (seit „Halleluja“, 1989) alle auf Platz 1 der Charts stürmten und Millionenumsätze generierten, kamen die Depressionen und der Rückzug vom Stadion-Rock. Und kaum dreht man sich um, wird Marius Müller-Westernhagen 75 Jahre alt und bringt eine große, von Sounds & Books besprochene Werkschau heraus. Der perfekte Anlass für eine Hallentour, die den Musiker und Schauspieler (Kultstatus für die Rolle in „Theo gegen den Rest der Welt“) am 17.05.2024 in seine alte Heimat Hamburg führte.

Gänsehautmomente

Mit seiner 10-köpfigen Band führte er in knapp zwei Stunden einen Querschnitt aus seinem nunmehr 20 Alben umfassendes Repertoire seit 1975. Müller-Westernhagen agierte altersgerecht ohne viel Schnickschnack. Immer noch schlank und geschmeidig für sein Alter und einer ausgebuffter Fuchs in seiner Performance, der schon mal mit seinem Alter kokettierte. Mit seiner tight aufspielenden Band und den euphorisierten Fans feierte er die alten Hits ab, von „Fertig“ und „Es geht mir gut“, über „Mit 18“ und „Sexy“ bis hin zu „Mit Pfefferminz bin in dein Prinz“. Mit seiner Frau Lindiwe Suttle intonierte er bewegendes „Ich brauche Luft zum Atmen“ und bei „Wieder hier“ sang der ganze Saal den Text im Chor. Ein Gänsehautmoment, der vom nächsten während der ersten Zugabe „Lass uns leben“ abgelöst wurde.

Freiheit mit Marius Müller-Westernhagen

Nach „Weil ich dich liebe“ und „Johnny W.“ dann noch der Song, den Marius Müller-Westernhagen aufgrund eines „inflationären Gebrauchs“ nicht mehr spielen wollte. Aber die politisch-gesellschaftliche Lage habe es zur Pflicht gemacht, „Freiheit“ wieder aufzuführen. Und so sangen nochmal alle zusammen sein berühmtes – von einigen Falschdenkern okkupiertes – Lied, ein erhebender Moment zum Abschluss. Und ja, Rock’n’Roll wird niemals sterben und mit Marius Müller-Westernhagen lässt es sich immer noch prächtig musikalisch feiern. Eigentlich müsste er fünf Mal in Folge in Hamburg spielen. Hoffentlich war dies nicht seine Abschiedsvorstellung. In der Form kann er nächstes Jahr gerne zurückkehren. In sein Revier.

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