Marianne Philips: Die Beichte einer Nacht

Marianne Philips: Die Beichte einer Nacht

Wiederentdeckung des 1930 veröffentlichten, intensiven Romans „Die Beichte einer Nacht“ der niederländischen Autorin Marianne Philips

Die 1886 im Amsterdam geborene Marianne Philips war Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und wurde 1919 als eine der ersten Frauen in den Gemeinderat ihres Wohnortes Bussum gewählt. Ihr politisches Engagement teilte sie mit der Haushaltsführung sowie der Erziehung dreier Kinder. Philips erkrankte Ende der 20er-Jahre und fand während einer psychoanalytischen Behandlung zum Schreiben. „Die Beichte einer Nacht“, ihr zweiter, 1930 veröffentlichter Roman wurde 2019 in den Niederlanden neu aufgelegt und von Eva Schweikart eindrucksvoll ins Deutsche übersetzt.

Dramatisch-faszinierende Lebensgeschichte

Marianne Philips Die Beichte einer Nacht Cover Diogenes

Seit sieben Monaten ist Heleen Insassin einer Nervenheilanstalt. Sie hat lange geschwiegen, doch nun setzt sie sich an den Tisch zur Nachtschwester und erzählt ihre Lebensgeschichte, deren vorläufiger dramatisch-trauriger Höhepunkt sie in diese Zwangslage gebracht hat. In einem ungestümen Monolog redet sich Heleen die Seele vom Leib. Berichtet vom Leben als ältestes Kind einer armen Großfamilie vom Land, vom beruflichen Werdegang seit ihrem dreizehnten Lebensjahr als Schneiderin und später Verkäuferin, die sukzessive ihren eigenen Wert erkennt sowie die Welt des Schönen und des Luxus entdeckt. Eine kurze, aber quälende Ehe, Hannes, die Liebe ihres Lebens, und die Edukation ihrer 17 Jahre jüngeren Schwester Lientje sind die privaten Eckpfeiler ihrer Existenz. Je länger die Beziehung mit Hannes dauert, desto stärker wachsen in ihr die Eifersucht und die Angst, ihren Partner zu verlieren. Dass die Gefahr ausgerechnet von ihrer jungen Schwester ausgeht, merkt Heleen sehr spät.

Marianne Philips und die One-Woman-Show

Marianne Philips konzipiert den autobiographisch gefärbten Roman zu einer One-Woman-Show. Eine Frau, die mit Konventionen bricht, selbstreflektiv ihre Psyche auslotet und sich im Affekt zu einer schweren Straftat hinreißen lässt. Obwohl sie durch ihre außergewöhnliche Protagonistin die Tat andeutet, hält Philips einen fast krimihaften Spannungsaufbau aufrecht. Ein von gelegentlichen, bei einem Stream of Consciousness nicht ungewöhnlichen Zeit- und Inhaltssprüngen abgesehen, chronologisch erzählter, intensiver Entwicklungsroman, der trotz seines Alters erfreulich modern und zeitlos wirkt.  

Marianne Philips: „Die Beichte einer Nacht“, Diogenes, aus dem Niederländischen von Eva Schweikart, Hardcover, 288 Seiten, 978-3-257-07142-9, 23 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)  

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