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7. September 2025Vom rauschhaften Aufstieg über die Zwangspause bis hin zur neuen Ernsthaftigkeit: Marco Wanda erzählt die Geschichte seiner Band
von Sebastian Meißner
Am Anfang war der Rausch. Marco Wanda berichtet vom Aufstieg seiner Band, der so schnell war, dass selbst die Beteiligten kaum hinterherkamen. Als die Wiener erstmals außerhalb ihrer Heimat tourten und für kleinere Clubs in Deutschland gebucht wurden, waren sie zum Zeitpunkt der Konzerte längst schon auf Hallenniveau. Sie spielten diese Tour trotzdem. Ich selbst erinnere mich an das Konzert im Hamburger Molotow – klein, eng, heiß. Als Wanda auf die Bühne traten, war etwas im Raum, das über den Moment hinaus deutete. Alle wussten: Diese Band wird groß.
Ein Hit aus dem Nichts
Vor allem „Bologna“ hat Türen geöffnet. Dass dieser Titel aus einer spontanen Eingebung entstand – geschrieben in wenigen Minuten, irgendwo zwischen Rausch und Klarheit – wirkt im Nachhinein fast unglaublich. Aber so erzählt Marco Wanda die Geschichte und schildert, wie die Songs kamen, wie der Tour-Alltag aussah, wie die Abende aus dem Ruder liefen. Man spürt beim Lesen, wie aus Musik Leben wurde – und umgekehrt. Zigarettenrauch, Alkohol, Kater, Müdigkeit und Euphorie: Alles ist spürbar beim Lesen der Erinnerungen an diese Zeit.
Wenn das Leben dazwischenkommt
Was wie ein nie endender Höhenflug begann, wurde mit der Krankheit von Bandmitglied Christian jäh ausgebremst. Diese Passagen zählen zu den intensivsten des Buches – weil sie zeigen, wie zerbrechlich jede Selbstverständlichkeit ist. Der Bandzusammenhalt, die Freundschaft, das Vertrauen – alles steht auf dem Spiel. Später kommt Corona, der plötzliche Stillstand. Als ob jemand den Stecker zieht. Marco Wanda beschreibt diese Zeit nicht als Krise, sondern als Leere, in der das, was zuvor getragen hat, neu gefunden werden muss. Gerade darin liegt eine enorme Kraft: im Benennen der Pausen, der Lücken, der Unsicherheiten.
Gespräche, die bleiben
Besonders eindrucksvoll ist auch die Passage über das Gespräch mit Henning von AnnenMayKantereit und Maurice von Bilderbuch beim 1Live Krone Award. Die Reflexion über das eigene Exzess-Image, über Außenwahrnehmung und Wirkung, zeigt eine neue Seite des Erzählers. Es ist ein Blick hinter das Bild, das von Wanda oft gezeichnet wurde. Auch die Geschichte hinter „Va bene“ bleibt haften – ein vertonter Dialog mit seiner Mutter über das Älterwerden.
Am Ende dieses Buches steht der Eindruck: Diese Band hat überlebt. Nicht, weil sie sich anpasste. Sondern weil sie weiterging, zusammen, verschworen, aufrichtig. Dass es sie überhaupt gegeben hat – und dass sie noch da sind – ist nicht nur eine Feststellung. Es ist ein Glück.
Marco Wanda: „Dass es uns überhaupt gegeben hat“, Zsolnay Verlag bei Hanser, Hardcover, 288 Seiten, 978-3-552-70018-5, 25 Euro. (Beitragsbild von Ingo Pertramer)





