Marco Schmedtje: 18 – Albumreview

Marco Schmedtje: 18 – Albumreview

Wiederentdeckte alte und neue akustische Songwriter-Perlen des Hamburger Musikers Marco Schmedtje

Manchmal möchte es der Zufall, oder je nach Gesichtspunkt, das Schicksal, genauso und nicht anders. Vor achtzehn Jahren verließ der vor Liebeskummer kranke Marco Schmedtje Hamburg, um für drei Wochen in Berlin Abstand zu gewinnen. In einem Neuköllner Hotel schrieb er sechs intime Songs, die er mit einem Vier-Spur-Rekorder aufnahm. Allerdings verschwand die Aufnahme irgendwann, bis sie während des Veröffentlichungsprozesses eines Albums seiner ehemaligen Band Vierwänder zu Beginn dieses Jahres wieder auftauchte. Diese knapp zwei Dekaden alte Akustik-Session bildet nun den zweiten Teil von Marco Schmedtjes neuem Solo-Album.

Marco Schmedtje und Jan Plewka

Marco Schmedtje 18 Cover

„18“ heißt der nach dem vor sieben Jahren veröffentlichten Debüt „Schöne Geister“ zweite Longplayer des in Schleswig-Holstein aufgewachsenen und in Hamburg lebenden Songwriters. Der ein Umtriebiger im Musikbusiness ist, spätestens seit er Jan Plewka von Selig Ende der 90er-Jahre begegnete. Zusammen gründeten sie die Band Zinoba und treten in Band- oder Duo-Formation mit einem erfolgreichen Rio-Reiser- und Simon & Garfunkel-Programm auf. Darüber hinaus musiziert Schmedtje regelmäßig am Theater, vom Hamburger Schauspielhaus bis zum Wiener Burgtheater, und arbeitet als Studiomusiker für andere Künstler. Als Marco Schmedtje die alten Lieder hörte, wurde ihm schnell bewußt, „dass die Songs musikalisch gar nicht so viel anders klangen als das, was ich zuletzt aufgenommen hatte“. Die Aufnahmen wiederum sind das Ergebnis seiner Arbeit mit Produzent Lars Ehrhardt aus den letzten beiden Jahren.

Melancholisches, Nachdenkliches und Anmutiges

Die akustische Gitarre sowie Schmedtjes Gesang bestimmen den Sound des Albums, auf dem sich der Liedermacher mit den großen Themen wie der Liebe und dem Tod auseinandersetzt. Die sechs neuen Songs verströmen mit zusätzlichen sanften Beats und zarten Streicherklängen ein wärmendes, tröstendes und die Seele streichelndes Ambiente. Zu hören gibt es Melancholisches wie den bei uns als Song des Tages vorgestellten Opener „Tunnel aus Gold“, Anmutiges wie die Reminiszenz an den Tag, als Schmedtje seine spätere Lebenspartnerin zum ersten Mal begegnete („Tag aus dem Glas“), oder Nachdenkliches wie „Lass die Sonne scheinen“. Die puristische Reduktion der älteren Songs wirkt direkter und rauer, aber nicht weniger melodiös. Seinen Liebeskummer von damals fängt Schmedtje in Songs wie „So weit weg“ oder „Irgendwo“ schon sehr schmerzhaft ein. Und bei guten Songs spielt das Alter bekanntermaßen sowieso keine Rolle.

„18“ von Marco Schmedtje erscheint am 02.10.2020 im eigenen Label / recordJet. (Beitragsbild von Franziska Stünkel)

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