Manfred Maurenbrecher: Inneres Ausland

Manfred Maurenbrecher: Inneres Ausland

Manfred Maurenbrecher singt nun mit Chor

Zweieinhalb Jahre nach seinem letzten, ebenfalls bei Sounds & Books besprochenen Album „Flüchtig“, meldet sich Manfred Maurenbrecher zurück. Der 1950 in Berlin geborene Liedermacher, von dem im vergangenen Jahr der sehr lesenswerte Roman „Grünmantel“ erschienen ist, veröffentlicht mit „Inneres Ausland“ erstmals ein Album mit einem Chor. „Ich hatte kaum etwas für einen Chor geschrieben, sondern habe in den neuen Liedern einfach Raum dafür gelassen“, sagt Maurenbrecher über die Entstehung seines Albums.

Der Jazzchor Jazzomat

Manfred Maurenbrecher Inneres Ausland Cover Reptiphon

Diesen Raum füllt die Sängerin Réka mit ihrem Jazzchor Jazzomat aus, unterstützt von Produzent, Schlagzeuger und Keyboarder Andreas Albrecht. Allerdings gar nicht allzu häufig, so dass die Chorauftritte wie wunderbare kompositorische Ergänzungen wirken. „Inneres Ausland“ enthält insgesamt sechzehn Lieder, darunter eine Vertonung von „Die drei Zigeuner“ des Naturlyrikers Nikolaus Lenau. Hier, wie in gut der Hälfte der Songs ebenfalls, hören wir Manfred Maurenbrecher zuvorderst am Flügel, während die andere Hälfte bandverstärkt aufgenommen worden ist. Das kann dann mal rockig-hymnisch und schön pathetisch ausfallen wie in „Solche Leute brauchen Heimat“, exzentrisch mit Club-Beats in „Puppen“, oder melodieprächtig wie in „Wölfe in Brandenburg“, das unter Mithilfe der Autoren und Satiriker Bov Bjerg und Horst Evers entstand.

Manfred Maurenbrecher als Chronist der Zeit

Vom im letzten Frühjahr am Krebs verstorbenen Andreas Hähle stammt der aufrüttelnde Text zu „Aufstehen“, das zusätzlich von Saxophonist und Klarinettist Joe Kučera veredelt wird. Einer der am schönsten arrangierten Songs des Albums. Zu weiteren Höhepunkten gehören das eingängige „Der Chor“, das traurige „Wie viele Herzen noch“, das schwermütige „Auf der Fähre nach Thassos“ sowie das aufmunternd-poppige „Der Rest ist Mut“. Auf „inneres Ausland“ erweist sich Maurenbrecher erneut auch als Chronist der Zeit wie im Schlüsselsong „Jetzt auf einmal geht’s“, wo der Klimawandel in seinen Auswirkungen seziert wird. Auf dem CD-Innenklappencover zitiert der bald 70-Jährige seine Lieblingszeilen (wie „Wo kein Stein mehr auf dem andern, wird es unwägsam und schön“ aus „Erdrutsch“) aus allen Songs. Eine Art Best-Of, aber ein detaillierter Blick auf seine Texte lohnt sich stets. In der Garde der deutschen Liedermacher nimmt Manfred Maurenbrecher nach wie vor eine führende Position ein.

„Inneres Ausland“ von Manfred Maurenbrecher ist am 13.03.2020 bei Reptiphon / Broken Silence erschienen. (Beitragsbild von Christian Biadacz)

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