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23. April 2025Verzückender Indie-Chanson-Kammer-Pop von Malva, endlich live in Hamburg
Text von Gérard Otremba, Fotos von Wanja Wiese
Es war Liebe auf den ersten Blick. Damals im September 2022, als wir „Kandierter Kummer“ als Song des Tages vorgestellt haben. Es war der erste Song in deutscher Sprache, den Malva Scherer geschrieben hat, wie sie beim Konzert am 22.04.2025 im Hamburger Nachtasyl bekannte, nachdem sie vorher das Englische in ihren Texten bevorzugt hat. Ihr kandierter Kummer war ein sehnsüchtiger und wehmütiger und traf mitten ins Herz. Melancholischer und poetischer konnte Indie-Chanson-Kammer-Pop kaum klingen. Und dass mich ihre nach einem traurigen Engel klingende Stimme sowie der Sound auch noch an Mazzy Star erinnerten, kam als Krone obendrauf.
Andächtig lauschende Malva-Fans
Die Münchner Songwriterin und ihr Partner in Crime Quirin Ebnet verwöhnten uns zwei Monate später auch auf der Langdistanz mit dem Debütalbum „Das Grell in meinem Kopf“ und weitere unwiderstehliche Songs folgten schon zwei Jahre später mit dem 2024 veröffentlichten und ebenfalls von Sounds & Books rezensierten „A Soft Seduction Daily“. Nach zwei Platten wurde es für Malva also auch mal Zeit, endlich in Hamburg aufzutreten. Im reduzierten Duo-Format mit Malva Scherer und Quirin Ebnet an E-Gitarre und Backing Vocals funktionierten die Lieder nicht minder gut wie in Bandformat. Die Besucher im Nachtasyl lauschten während des 60 Minuten dauernden Konzerts andächtig, zeigten sich aber auch begeistert vom intimen Vortrag der beiden. Begeistert von wunderschönen Liedern wie „Second Floor“, „Beautiful Heartbreaker“, „Paper-Thin“ oder „Casual Sex“.
Malvas Ding mit Zahlen und Farben
Einige Songs wurden mit kurzen Hintergrundstorys angekündigt. Malva hat „so ein Ding“ mit Zahlen. Schaut immer nur auf die Uhr, wenn eine Symmetrie der Ziffern vorliegt. 10.10 Uhr sei die häufigste von ihr erblickte Zeit gewesen, weshalb sie dieses Phänomen im eben so betitelten Lied besungen habe. Und „so ein Ding“ mit Farben hat Malva Scherer auch noch. Auf dem Debüt mit „Rostorange“ in Szene gesetzt, wo sich auch der Albumtitel erklärt („Häuser verschwimmen zu einem Aquarell aus Mauern und Dächern, es übermalt das Grell in meinem Kopf“), im zweiten mit „Blassblau“, beide von Malva live auf charmanteste Weise vorgetragen. Und sie erzählte von ihrem Lieblingscafé in München, dem Café Kosmos, ihrem zweiten Zuhause, dessen alltäglichen Zauber sie in „Glück aufs Haus“ beschreibt.
Wohnung gesucht
Den Werbeblock XXL nutzte dann Quirin Ebnet noch in eigener Sache, zieht er doch im Herbst mit seiner Freundin nach Hamburg und sucht eine Wohnung. Also, meldet euch via Facebook oder Instagram bei Malva, wenn euch etwas Passendes auf dem Hamburger Wohnungsmarkt unterkommt. Trotz langanhaltendem Applaus war dann nach den beiden Zugaben „Kandierter Kummer“ und „Dance With The Devil“ leider wirklich Schluss. Man hätte den beiden noch gerne eine weitere Stunde gebannt zugehört, ein großer Genuss war der Auftritt indes allemal. Kauft die Platten von Malva und besucht die Konzerte, schönere Musik aus diesem Land werdet ihr kaum zu hören bekommen.

















