Malva: Das Grell in meinem Kopf

Malva Pressefoto von Elias Biehler

Die 20-jährige Münchner Songwriterin Malva verzaubert mit Indie-Chanson-Kammer-Pop

Als im September das Lied „Kandierter Kummer“ von Malva die Sounds & Books-Redaktion erreichte, war es sehr schnell um mich geschehen. Zu sehr erinnerte mich die zurückhaltende, sehr melancholische Stimme an Hope Sandoval und das Indie-Chanson-Kammer-Pop-Arrangement nicht minder an Sandovals Band Mazzy Star. Nach allem, was man über Malva Scherer so erfahren hat, scheint die 20-jährige Münchnerin reichlich aus der Zeit gefallen zu sein. So gibt sie die Lyrikerin Mascha Kaleko, die Beatpoeten der Fifties und Sixties sowie die Songwriterin und Dichterin Patti Smith als wichtigste Inspirationsquellen für ihre Kunst an.

Eine neue Hoffnung

Malva Das Grell in meinem Kopf Cover Trikont

Und vielleicht schaut sie sich in irgendwelchen Münchner Programmkinos in der Spätvorstellung die ganzen französischen Nouvelle-Vague-Filme von Godard bis Truffaut an. Wäre ich Regisseur eines solch gearteten Films, hätte sie bei mir jedenfalls die Hauptrolle sicher. Das von ihrer Musik ausgelöste Kopfkino möchte es so. Und was ist das für eine zauberhafte Musik, die Malva mit ihrem Partner in Crime Quirin Ebnet – die beiden trafen sich vor vier Jahren bei einem Jesper-Munk-Konzert – für das Debütalbum „Das Grell in meinem Kopf“ komponiert haben. Es verwundert überhaupt nicht, dass die neue Nachwuchshoffnung am Indie-Himmel Deutschlands in ihrer Heimatstadt als Support von King Hannah auftrat, schließlich verzeichnete das Liverpooler Duo zumindest mit ihrer Debütsingle „Crème Brúlée” eine gewisse Affinität zu Mazzy Star. Malva betört indes mit zu Tagträumen einladenden Sounds.

Malva zwischen schwärmerischem Indie-Pop und entrücktem Folk

Dabei gerät das abschließende „Pieces And Shards“ zu einer schwärmerischen und schwebenden Indie-Pop-Nummer und hat neben dem vergleichsweise ausgelassenen „Middle Of Nowhere“ sogar Indie-Hit-Potential. Malva fühlt sich offensichtlich im klassisch geprägten, leicht entrückten Folk bei „I Drank Your Texts Earlier That Night“ genauso wohl wie im getragenen Songwriter-Pop bei „Rostorange“. Und dann ist da immer wieder diese wunderschöne Traurigkeit, mit der Malva Songs wie “Kandierter Kummer“, „Dance with The Devil“ und „10 Uhr 10“ veredelt. Letzteres in einem gar herrlichen Chanson-Jazz-Folk-Modus vorgetragen. „Das Grell in meinem Kopf“ gehört zu den besten Debütalben des Jahres. Danke für die Freudentränen, danke für die Musik, Malva.

„Das Grell in meinem Kopf“ von Malva erscheint am 18.11.2022 bei Trikont. (Beitragsbild von Elias Biehler)

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