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11. Februar 2026„What If“ ist kein tanzbarer Pop, sondern ein leises, sanftes Album, das die Welt für einen Moment anhalten kann, um sich von ihrer Schnelligkeit zu erholen.
von Mia Lada-Klein
„What if“. Zwei Worte, die am Anfang jeder guten Geschichte stehen und manchmal auch am Anfang eines inneren Monologs. MAIIJA macht aus dieser Frage ein ganzes Album und setzt dabei kompromisslos auf das, was sie vielleicht am besten kann: Reduktion und eine Stimme, die jeden Song trägt. Im Zentrum steht Marilies Jagsch, die seit über 15 Jahren die Wiener Musikszene mitprägt. Gemeinsam mit Produzent Peter Paul Aufreiter von Hearts Hearts öffnet sie unter dem Namen MAIIJA einen Raum für experimentellen Pop, intime Songwriter-Momente und fein verwobene elektronische Texturen. „What If“ ist ein Album für diejenigen, die hinsehen, hinhören und aushalten.
Zwischen Stillstand und Aufbruch
Der Opener „Anticipate“ macht keine großen Gesten. Klavier, ein paar schwebende Synthies, fast Stille. Ein vorsichtiges Atmen, bevor überhaupt etwas passiert. „Recover“ zieht das Tempo minimal an, bleibt dabei aber ebenfalls eher ruhig und schielt leicht in Richtung eines dezenten Folk-Einschlags. „Feel“ beginnt fast nackt als Akustikmoment, bevor sich die Instrumentierung langsam öffnet.
Das emotionale Zentrum des Albums liegt in seinem übergeordneten Thema. „What If“ kreist um Krankheit und Hoffnung, um innere Starre und die leise Bewegung hinaus. Persönlich, aber nie selbstmitleidig. Verletzlichkeit wird zur Stärke, Unsicherheit zum gemeinsamen Nenner. MAIIJA erzählt dabei nicht nur von sich selbst, sondern auch davon, wie wir als Gesellschaft mit dem augenblicklichen Zustand und der Unsicherheit in der heutigen Welt umgehen.
MAIIJA und die Reduktion als Statement
„Trust“ bleibt ebenfalls eher zurückgenommen und reduziert, beinahe stoisch, gewinnt aber gerade dadurch. Streicher setzen gezielte Akzente, der Rhythmus bleibt monoton, die Spannung wächst. Stimmlich blitzt hier und da Björk auf, dieses leicht hohe, minimal spröde Timbre, das hängen bleibt. „Liberate“ wirkt smoother, fast bluesig, mit mehr Fokus auf der Gitarre, ohne die Stimme aus dem Zentrum zu verdrängen. Der Abschlusstrack „Reconsider“ schließt den Kreis ruhig und gelassen, mit Bläsern und feiner Melodie. Über allem schwebt das Prinzip der Zurückhaltung. Nichts ist überladen, alles bewusst gesetzt.
„What If“ reißt keine Welten ein. Es hält sie aber vielleicht kurz an. Wer schnellen Pop zum Tanzen erwartet, wird enttäuscht sein. Wer bereit ist, sich zurückzulehnen und der Musik wieder zuzuhören, bekommt eine kleine Pause vom Alltag. Leise, klug und überraschend nachhaltig.
MAIIJA veröffentlicht „What If“ am 13. Februar 2026 via Noise Appeal Records. (Beitragsbild von Michael Poetschko)





