Maggie Nelson: Die roten Stellen

Maggie Nelson: Die roten Stellen

Maggie Nelson erzählt eindrücklich die Autobiographie des Prozesses gegen den vermeintlichen Mörder ihrer Tante

Parallelität der Ereignisse: Während Maggie Nelson an einem Gedichtband für ihre 1969 ermordete Tante Jane arbeitet, führt ein Detective der Michigan State Police eine akribische Untersuchung an dem als ungelöst zu den Akten gelegten Kriminalfall. Kurz vor der Veröffentlichung des Lyrikbandes, wir schreiben das Jahr 2004, erhält Maggie Nelsons Mutter und Schwester der getöteten Jane Mixer einen Anruf des Detectives, in dem sich dieser optimistisch gegenüber einem schnellen und erfolgreichen Abschluss eines möglichen Prozesses zeigt. Der Fall wird tatsächlich neu aufgerollt, denn aufgrund von neuen Erkennungsmethoden deutet eine Spur zu einem verdächtigen Mann, dessen DNA am Tatort sichergestellt worden ist.

Die „Michigan-Morde“

Maggie Nelson Die roten Stellen Cover Hanser Berlin

Der Staat Michigan erhebt Anklage und Maggie Nelson wird zur Chronistin des im Juli 2005 stattgefundenen Strafverfahrens. Gleichzeitig beleuchtet Nelson in ihrem neuen Buch das eigene sowie das Leben ihrer Familie. Sie hat die vier Jahre vor ihrer Geburt auf brutale Weise umgebrachte, zum Zeitpunkt des Mordes 23-jährige Tante nie kennengelernt. Diese war Jurastudentin und fiel in die Reihe der sogenannten „Michigan-Morde“, in der innerhalb von zwei Jahren sieben junge Frauen auf ähnlich grausame Art ums Leben kamen. In Janes Fall wich der Modus Operandi der Tat von den anderen leicht ab, weshalb er als nicht geklärt eingestuft worden ist. Im Alter von 13 Jahren stieß Maggie Nelson in der Bibliothek ihrer Mutter auf ein diese Morde behandelndes Buch, die Faszination für das Verbrechen erwachte, die später während der Recherche für den Jane-Gedächtnisband in ein „Mordgemüt“ mündete.

Maggie Nelson mit Hitchcock-Gespür

Die Dichterin, Essayistin und Professorin an der University of Southern California begegnet in dieser „Autobiographie eines Prozesses“ eigenen Traumata, zu denen die Trennung ihrer Eltern, der frühe Tod ihres Vaters, das schwierige Verhältnis zu ihrer rebellischen Schwester Emily sowie eine unglücklich verlaufene Liebesbeziehung zählen. Stilistisch bewegt sie sich zwischen nüchtern-distanzierter Analyse und leidenschaftlicher Anteilnahme, mit teilweise Alfred Hitchcock-artigem Gespür für das Grauen und Verbrechen.

Magge Nelson: „Die roten Stellen“, Hanser Berlin, übersetzt von Jan Wilm, Hardcover, 978-3-446-26591-2, 23 Euro (Beitragsbild: Buchcover)    

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