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12. August 2025Mae Powell präsentiert ein reifes, atmosphärisches Retro-Folk-Album in herrlich warmem Soundgewand
von Sven Weiss
Es gelingt wahrscheinlich nicht vielen Künstlern, den Hörer gleich mit dem allerersten Ton eines Albums aus dem Alltag zu entreißen und in eine Parallelwelt zu katapultieren. Mae Powell schafft dies (nach kurzem Schlagzeug-Auftakt) mit einem kräftigen Hammond-Organ-Akkord. Sofort fühlt man sich an die Küste Kaliforniens transportiert, die Abendsonne wärmt angenehm den Rücken, die Wellen treffen sanft auf den Strand. Das Ganze ungefähr im Jahr 1967. Für dieses Gefühl sorgt vor allem der erdige Retro-Sound, in den die Songs gekleidet sind – warm, analog und echt.
Das Geheimnis liegt im Gesang: Ist Mae Powell wirklich so jung?
Es ist das zweite Album der Singer-Songwriterin aus der kalifornischen Bay Area. Was im ersten Moment verwunderlich erscheint. Denn Mae Powell klingt nicht wie die junge Künstlerin, die sie ist, sondern eher als sei sie schon Jahrzehnte unterwegs und hätte sämtliche Kellerclubs des amerikanischen Kontinents Dutzende Male bespielt. Das dürfte vor allem an der beeindruckenden Souveränität liegen, mit der Powell ihre Stimme einsetzt. Es ist ein Vergnügen, ihr dabei zuzuhören, wie sie die Songs gestaltet – je nach Stimmungslage die Klangfarbe moduliert, ihr ein sanftes Hauchen oder ein raues Timbre verleiht.
Die ersten Skizzen für die elf Songs entstanden auf der Farm von Powells Mutter nördlich von San Francisco. Produzent und Multiinstrumentalist David Parry verpasste ihnen dann das passende Gewand. Und entschied sich dabei für Baumwollhosen mit Blumenmuster und Cordjacke. Dank dieser wunderbar-warmen Produktion gehört Perry ebenso viel Anerkennung wie dem fantastischen Vortrag Powells.
Authentische Soundwelt, intime Atmosphäre
Und so entstand ein Album, dessen authentische Soundwelt eine intime Atmosphäre schafft, die den Hörer direkt ins Herz trifft. Es ist ja auch nichts da, was ablenkt, kein unnötiger Zierrat, kein künstliches Blendwerk, keine aufmerksamkeitsheischenden Effekte. Stattdessen bekommt jedes Instrument Raum zu atmen. Und genau darin liegt die Kraft dieses Albums: in der Klarheit, der Ehrlichkeit und dem Mut zur Einfachheit.
Es ist eines dieser Alben, denen man sich einfach hingeben sollte. Von dem ersten mitreißenden Hammond-Akkord in „Tangerine“ über den entspannt groovenden Kaffeehaus-Folk von „Meet Me In A Memory“, dem verträumten „Invisibly“ bis hin zu „Again“, das dieses wunderbare Album sanft-pluckernd zum Ausklang bringt. Und dessen Titel durchaus als Aufforderung verstanden werden könnte. Es war doch so schön.
„Making Room For The Light“ von Mae Powell erscheint am 15.08.2025 bei Karma Chief / Cargo Records. (Beitragsbild von Mitch LaGrow)





